Liebe im Urlaub
Urlaubszeit ist Flirtzeit. Die Sonne scheint, der Alltag ist weit und das Leben zeigt sich von seiner Schokoladenseite.
Kein Wunder, dass dann nicht nur Hüllen, sondern auch Hemmungen fallen. Immerhin rund drei Viertel der Deutschen können sich eine Affäre im Urlaub vorstellen, ergab die Umfrage eines Urlaubs-Internetportals. Als Flirt-Eldorados gelten Mallorca, Thailand und Florida.
Wobei viele gar nicht erst bis zur Ankunft im Urlaubsort warten, birgt doch schon der Flug dorthin Flirtpotential: Nach einer Urlaubsstudie der Fluggesellschaft British Airways sind die Deutschen top, was das Flirten im Flieger angeht, gefolgt von den Schweizern und Skandinaviern.
Doch nicht jeder Urlaubsflirt endet zwangsläufig im Bett: Noch wichtiger ist – zumindest den meisten Frauen – das Gefühl, begehrenswert zu sein. "Man wird vielleicht ganz neu gesehen, bekommt eine neue Chance, sich anders zu geben, und fühlt sich auch selbst viel freier", meint die Kölner Diplom-Psychologin Elisabeth Raffauf.
Eine Urlaubsliebe kann eine wunderbare Sache sein, sie kann die Reise zu einem unvergesslichen Erlebnis machen, kann den eigenen „Marktwert“ zeigen, das Selbstwertgefühl stärken – und vielleicht auch die Ferienwochen überdauern.
Bezness? Nein danke
Sie kann aber auch dramatische Folgen haben: In zahlreichen Internetforen taucht immer wieder der Begriffe „Bezness“ auf, hergeleitet vom englischen Wort „Business“. Bezness ist das Vorspielen von Gefühlen zum eigenen Vorteil, finanzieller oder materieller Art und offenbar vor allem im orientalischen Raum verbreitet. Die Journalistin Evelyne Kern ist vor Jahren selbst ein „Bezness-Opfer“ gewesen und hat 2002 die Internetseite www.1001Geschichte.de mit zahlreichen Berichten ebenfalls Betroffener sowie einen Verein gegen Bezness (CiB) gegründet.
Eine andere Website spricht vor allem Frauen an, die sich bei einem Urlaub in der Türkei in einen Einheimischen verliebt haben: Was zunächst nach einer Liebe aus 1001 Nacht aussah, entpuppte sich nur allzu oft als Abzocke, schreiben die Autorinnen ernüchtert.
Sex besser safe
Ebenfalls riskant: Im emotionalen Überschwang ist „Safer Sex“ oft kein Thema, trotz möglicher Ansteckungsgefahr mit dem AIDS-Virus, Hepatitis oder Gonokokken. Kondome bieten hier nach wie vor den besten Schutz vor unangenehmem gesundheitlichem Nachspiel.
Und wenn der Urlaubsflirt ganz unexotisch aus der Nachbarstadt kommt? Auch dann ist es nicht immer einfach, gemeinsam von der Leichtigkeit des Seins im oft stressigen Alltag anzukommen. Dann wirkt die Urlaubsliebe plötzlich nicht mehr ganz so toll, findet vielleicht keine Gnade vor den Augen der Freunde und Familie. „Die meisten Urlaubslieben sind nicht alltagstauglich“, meint die Hamburger Flirtexpertin Nina Deißler. „Im normalen Leben passt es einfach nicht.“
Dennoch – nicht alle Urlaubsaffären sind Eintagsfliegen: So mancher hat auf diesem Weg den Partner fürs Leben kennen gelernt.
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