Genießen lernen
Essen sollte lecker und lustvoll genossen werden und mehr als reine Nahrungsaufnahme zum günstigen Preis sein. Das ist doch eigentlich selbstverständlich, oder? Ein schmackhaftes Essen in angenehmer Atmosphäre schlägt doch keiner aus? Die große European Consumer Study (2005) zeigt jedoch, dass die Deutschen beim Essen hauptsächlich auf Preis und die Menge achten. Qualität und Geschmack der Waren ist ihnen beim Einkauf weniger wichtig. Gleichzeitig ist im Ernährungsbericht der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) e. V. zu lesen, dass die Deutschen zunehmend übergewichtig seien. 58 Prozent aller Männer und 42 Prozent aller Frauen sind demnach zu dick. Dramatisch hat sich der Anteil an übergewichtigen Kindern entwickelt. Kann das ein Zufall sein?
Übergewichtige Eltern, übergewichte Kinder
Wenn über die Hälfte der Erwachsenen übergewichtig ist, wie können sie dann glaubwürdige Vorbilder in punkto gesunder Ernährung sein? Aber gerade die Familie ist der Ort, wo lebenslange Ernährungsgewohnheiten festgelegt werden. Und wie schwer es ist, von einmal eingeschliffenen Gewohnheiten zu lassen, kann jeder nachvollziehen. Zuhause lernen Kinder, welchen Stellenwert das Essen hat, welche Mühe und Kosten man in Einkauf und Zubereitung steckt und welche Zeit man sich für den Verzehr nimmt.
Haben wir verlernt zu genießen?
In den neunziger Jahren gaben die Deutschen zwei Milliarden Euro in Fast-Food-Restaurants aus, 2004 waren es bereits sechs Milliarden. Nicht nur das Auge, nein – alle Sinne essen mit. Eigentlich! Natürlich sollte sich nicht alles ums Essen drehen. Aber wer immer nur nebenbei etwas in sich hineinstopft, isst zu schnell und kann gar nicht den Geschmack genießen. Nehmen Sie sich genug Zeit zum Essen, auch wenn es Ihr Zeitplan eigentlich nicht erlaubt. Wer genussvoll isst, entspannt sich dabei und gibt dem Stress keine Chance. Und: Man kann sogar im Fast-Food-Restaurant genießen, wenn man sich bewusst die Zeit nimmt.
Machen Sie ein Spiel daraus
Eine gesunde Ernährung ist eine ernsthafte Angelegenheit. Man kann sie jedoch kindgerecht und lustig verpacken. Wenn Eltern den Kindern das Essen mit allen 5 Sinnen schmackhaft machen, wird es wieder zum Genuss und ist dabei noch gesund.
Nutzen Sie Ihre Sinne und entdecken Sie die kleinen Dinge im Alltag. Erschmecken Sie z. B. den Unterschied einer gelben, roten oder grünen Paprika. Experimentieren Sie mit unterschiedlichen Lebensmitteln und erforschen Sie, was Ihnen gut tut, was schmeckt und bekömmlich ist und was nicht. Mit der Zeit wählen Sie dadurch bewusster aus, verzichten eher einmal und Ihr Anspruch an die Qualität der Nahrung steigt. Kinder können schon beim Einkauf Form, Farbe und Frischegrad von Obst mit den Augen erforschen oder durch das Ertasten von einer Gurke oder Tomate herausfinden, ob sie noch gut ist.
Auch das Ohr isst mit. Fördern Sie den Entdeckungsdrang Ihrer Kinder: Lassen Sie sie z. B. bei einer Melone durch Klopfen den Reifegrad herausfinden. Ist der Saft noch frisch? Durch den Plopp beim Öffnen der Flasche erhält das Kind eine akustische Bestätigung. Durch diese kleinen Sinnesangebote im Alltag lernen Kinder zu unterscheiden, um später mit Hilfe dieser Erinnerungen aus einem Nahrungsüberangebot gezielt auswählen zu können.
Auch zu Hause können wir den Sinnen Nahrung geben. Ein Blumenstrauß auf dem Tisch oder bunte Servietten und Tischdecken erfreuen das Auge. Das Aroma frischer Kräuter auf dem Fensterbrett oder Geruch von geröstetem Toast und brühfrischem Kaffee machen aus einem einfachen Frühstück einen genussvollen Start in den Tag.
Letzte Änderung: Oktober 2011

