Essstörungen bei Kindern
Meine Suppe ess’ ich nicht, Ich trinke nur Apfelsaft, Iih, ich mag kein Gemüse – solche Litaneien des Nachwuchses dürften den meisten Eltern bekannt sein. Was tun, wenn fast alles Gesunde auf der Strecke bleibt und die Kleinen nur von Nougatcreme und dem großen gelben M fantasieren oder manche Mahlzeiten komplett verweigern? Ist das schon eine Essstörung oder nur eine vorübergehende Phase?
Nach Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) leiden rund 15 bis 20 Prozent aller Säuglinge und Kleinkinder an leichten bis mittelschweren, drei bis sieben Prozent an schweren Essstörungen. Als Faustregel gilt: Dauert die Mahlzeit ab dem dritten Lebensmonat mehr als 45 Minuten, liegen zwischen den Mahlzeiten weniger als zwei Stunden oder erbricht das Kind regelmäßig das Essen, sollten Eltern professionelle Hilfe suchen.
Vorsorgeuntersuchungen nutzen
Eine gute Kontrolle bieten außerdem die regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt. Denn Nahrungsverweigerung kann auch organische Ursachen haben wie etwa chronische Erkrankungen, Lebensmittelallergien oder Störungen der Appetitregulation.
Essverweigerung als Entwicklungsstufe
In den meisten Fällen verbirgt sich hinter der Essverweigerung jedoch eine normale Entwicklungsstufe, zum Beispiel beim Übergang vom Stillen zur Beikost oder vom Füttern zum selbständigen Essen. Auch in Trotzphasen verweigern Kinder häufig das Essen.
Im Kampf um ausgewogene Ernährung gerät dann oft die Familienharmonie aus den Fugen. Um den Nachwuchs zum Essen zu bewegen, greifen Eltern zunehmend zu ausgefallenen Mitteln: So schildert der Siegburger Psychologe Markus Wilken den Fall einer Mutter, deren 18monatiges Kind nur aß, wenn sie zehn Brummkreisel gleichzeitig vor ihm in Bewegung setzte.
Kein Zwang zum Essen
Damit die gemeinsamen Mahlzeiten nicht zum Albtraum für alle Beteiligten werden, raten Experten, jeden Druck herauszunehmen und auf übertriebene Rituale zu verzichten. Eltern sollten Essen nur anbieten, wenn von den Kindern ein entsprechendes Signal kommt. Die Initiative muss beim Kind liegen, meint Wilken. Das Kind sollte auch nicht gezwungen werden, alles aufzuessen.
Tricksen erlaubt
Verweigert das Kind bestimmte Lebensmittel wie Milchprodukte oder gekochtes Gemüse, kann man es zunächst mit ein paar Tricks versuchen: Verstecken Sie Gemüse oder Kräuter durch Pürieren in Suppen, Soßen oder Aufläufen. Bieten Sie Gemüse als Rohkost oder frischgepressten Saft an.
Milch oder Quarkspeisen lassen sich gut mit Früchten und Getreideprodukten (Nüsse, Sonnenblumenkerne, Sesam, Mohn) aufpeppen.
Vorbild Eltern
Ganz wichtig: Eltern haben eine klare Vorbildfunktion. Wird zu Hause gerne gekocht und ist die gemeinsame Mahlzeit für alle ein schönes Erlebnis, verbinden die Kinder Essen mit positiven Gefühlen. Sinnvoll ist es auch, die Kinder beim Einkauf und Kochen mit ein zu beziehen – auch wenn dies mehr Zeit (und manchmal auch Nerven) kostet: Sie schärfen damit das Bewusstsein für Geschmack, Genuss und Gesundheit.
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Datum der letzten Aktualisierung: Oktober 2011

