Heliotherapie
Was versteht man darunter?
Die Heliotherapie gehört zusammen mit der Phototherapie zu den medizinischen Behandlungen mit Licht. Die Heliotherapie nutzt dabei das natürliche Sonnenlicht. Die Phototherapie bedient sich dagegen künstlicher Lichtquellen wie UV- oder Weißlicht-Lampen.
In der Antike hatte die Therapie durch Sonnenlicht (griechisch: Helios = Sonne) bereits einen hohen Stellenwert und weite Verbreitung gefunden. Ein Sonnebad galt als ideales Mittel, "um den Körper zu stärken und zu straffen, die Leistungsfähigkeit zu erhöhen und die Abwehrkräfte zu unterstützen" (so der römische Arzt Antyllus um 100 n. Chr.). Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts erlebte die Heliotherapie wieder neuen Auftrieb, als die heilsame Wirkung des Sonnenlichtes beispielsweise bei Tuberkulose genutzt wurde. Kuraufenthalte vor allem in der Höhenluft (hier wird das wirksame UV-B-Licht weniger stark gefiltert) waren eine Standardtherapie der Tuberkulose. Literarischen Niederschlag hat die Heliotherapie gegen Tuberkulose in Thomas Manns berühmten Roman "Der Zauberberg" gefunden. Erst mit der Entdeckung der Antibiotika hatte die Medizin bessere Waffen gegen die Erreger in der Hand. Eine weitere Krankheit, gegen die erfolgreich mit Sonnenlicht vorgegangen werden konnte war die Rachitis. Heute wird die Heliotherapie vor allem kurmäßig im Rahmen einer Klima- oder Balneotherapie eingesetzt. Heute stehen vor allem Hautkrankheiten wie Neurodermitis oder Schuppenflechte im Vordergrund, die sich durch Sonnbestrahlung positiv beeinflussen lassen.
Sonnenlicht hat außerdem eine Wirkung auf die Psyche. Ein Mangel kann vor allem in den dunklen nordischen Wintern zu regelrechten Depressionen führen ("Winterdepression"). Ihnen kann mit künstlichem Licht oder dem besseren Ausnutzen der natürlichen Sonnenstrahlung begegnet werden.
Wie wirkt die Therapie?
Die größte biologische Wirksamkeit des Sonnenlichtes hat der kurzwellige UV-B-Anteil der Strahlung. Zunächst wurde angenommen, dass UV-Licht Bakterien wie den Tuberkulose-Erreger direkt abtöten würde. Doch die Wirkung beruht zum großen Teil auf einer Aktivierung des Immunsystems durch das Sonnenlicht. Ein wichtiger Faktor ist dabei die Produktion des Vitamin D. Intensive Sonneneinstrahlung unterdrückt allerdings die Immunreaktion des Körpers und sollte deshalb gemieden werden.
Damit der Körper Vitamin D herstellen kann, ist Sonnenlicht erforderlich, weil die biochemischen Vorstufen des Vitamins in der Haut nur unter dem Einfluss des UV-Anteils im Lichtspektrum umgewandelt werden können. Einige Minuten pro Tag reichen dafür aus. Fehlt die Sonne auf Dauer völlig, kann ein Vitamin-D-Mangel resultieren. Das hat nicht nur negative Folgen für das Immunsystem, sondern auch die Knochensubstanz leidet. Denn Vitamin D fördert die Aufnahme von Kalzium im Darm. Und dieser Mineralstoff ist ganz entscheidend für die Härte und Stabilität der Knochen. In frühindustrieller Zeit war die durch weiche und deformierte Knochen gekennzeichnete Rachitis eine der häufigsten Leiden der Kinder in den lichtlosen Mietskasernen Mitteleuropas.
Die positiven Wirkungen des Sonnelichtes auf die Psyche werden unter anderem dadurch erklärt, dass es im Gehirn die Produktion von verschiedenen Hormonen und Botenstoffen beeinflusst (z. B. Serotonin).
Rezepte zum Selbermachen
Eine angenehmere Form der Behandlung als die Heliotherapie ist wohl kaum denkbar. Sich in die Sonne legen und entspannt die wohlige Wärme auf der Haut genießen ist eine Wohltat für Körper und Seele. Doch das Sonnlicht dürfen Sie nicht überdosieren, da sonst die UV-Strahlung zu Sonnenbränden führt und das Risiko für Hautkrebs steigert. Aber gegen ein wohldosiertes Sonnenbad ist medizinisch nichts einzuwenden.
Tipps zum Sonnenbad:
- Die Zeit der intensivsten Sonneneinstrahlung zwischen 11 und 15 Uhr meiden.
- 30 bis 45 Minuten vor dem Sonnenbad eincremen, damit das Lichtschutzmittel genügend Zeit hat, in die obersten Hautschichten einzudringen.
- Höchstens 60 Prozent der sich aus Lichtschutzfaktor, UV-Index und Hauttyp ergebenden maximalen Sonnenbadedauer ausnützen.
- Die Lippen sind besonders schutzlos, da die Haut hier nur dünn ist und kaum Fett produziert. Hier helfen besondere Lippencremes. Schützen Sie die Augen mit einer Sonnenbrille..
- Kein Sonnenschutzmittel ist absolut wasserfest. Der Schutzfaktor nimmt nach dem Gang ins Wasser immer ab. Also gerade die Kinder nachher neu eincremen.
- Unbedingt darauf achten, dass der Sonnenschutz neben UV-B auch UV-A-Strahlen herausfiltert.
- Extreme Lichtschutzfaktoren - wie beispielsweise 60 - bieten kaum noch bessern Schutz. Bereits bei Faktor 20 werden 95 Prozent des UV-B-Anteils herausgefiltert.
Was bietet die AOK?
Die AOK - Ihre Gesundheitskasse übernimmt die Kosten einer Heliotherapie im Rahmen eines Kuraufenthaltes, wenn dieser von einem Vertragsarzt verordnet wurde und er der Rehabilitation nach einer Krankheit dient. Für den Versicherten fallen lediglich die gesetzlich vorgeschriebenen Zuzahlungen an.



