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Kaiserschnitt

Synonyme

Sectio caesaria, operative Geburt, Schnittentbindung

Grundlagen

Der Kaiserschnitt - die Geburt des Kindes durch die Bauchdecke mittels eines operativen Eingriffs - zählt zu den ältesten chirurgischen Verfahren. Ursprünglich meinte man, die Bezeichnung würde auf Julius Cäsar zurückgehen, der angeblich durch eine Schnittentbindung geboren wurde. Heute geht man davon aus, dass dies in den Bereich der Sage gehört und dass der Begriff "Sectio caesarea" von dem lateinischen Verb "caedere" (schneiden) abstammt. Mittlerweile wird in Deutschland bereits jedes fünfte Kind mit einem Kaiserschnitt geboren. Die Entscheidung, einen Kaiserschnitt vorzunehmen, fällt zumeist, wenn die Geburt schnell beendet werden muss und die Voraussetzungen für eine normale Geburt nicht gegeben sind. Ein Kaiserschnitt kann aber auch eine im Voraus vom Arzt geplante Geburtsoperation zur Vermeidung von Komplikationen sein. Sechs Prozent der Frauen entscheiden sich auch nach einer komplikationslosen Schwangerschaft für eine Sectio caesarea. Sie ziehen den Kaiserschnitt der natürlichen Geburt vor und hoffen dadurch auf eine schmerzlosere und für das Kind ungefährlichere Geburt. Von einem primären Kaiserschnitt spricht man, wenn die Schnittentbindung vor dem Einsetzen der Wehentätigkeit vorgenommen wird; der sekundäre Kaiserschnitt erfolgt nach begonnenen Wehen, d. h. die Geburt ist bereits im Gange. Der Kaiserschnitt ist für die Mutter eine belastende Operation. Es ist maximale Eile geboten, um das Kind dem Einfluss der Betäubungsmittel und anderer Medikamente möglichst kurz auszusetzen. Die Notwendigkeit für einen Kaiserschnitt sollte möglichst sorgfältig geprüft werden, da er mit einer Reihe von Komplikationen für Mutter und Kind behaftet sein kann. Neben dem herkömmlichen Kaiserschnitt wurde in Israel die sanftere Methode des Kaiserschnitts nach Misgav Ladach mit einer wesentlich kürzeren Operationsdauer und einer geringeren körperlichen Belastung für Mutter und Kind entwickelt.

Indikationen

  • Indikationen bei der Mutter:Herzfehler
  • Krampfleiden
  • Vorangegangener Schlaganfall
  • Schwangerschaftsbedingte Hochdruck-Erkrankung (Gestose)
  • Lang anhaltende Geburtswehen
  • Muttermund öffnet sich bei der Geburt nicht
  • Wehenschwäche in der Eröffnungsphase
  • Stillstand der Geburt
  • Enge des mütterlichen Beckens
  • Vor dem Muttermund liegende Plazenta (Mutterkuchen)
  • Vorzeitige Wehen
  • Vorzeitige Ablösung des Mutterkuchens
  • Indikationen beim Kind:Schlechte Herztöne
  • Sauerstoffunterversorgung
  • Atemstillstand
  • Kind senkt sich nicht, weil Nabelschnur um Hals oder Bauch liegt
  • Querlage
  • Unveränderbare Beckenendlage
  • Beckenend- oder Querlage von Zwillingen
  • Für das mütterliche Becken zu großes Kind

Man unterscheidet zwischen Indikationen bei der Mutter und Indikationen beim Kind, die eine Geburt durch Kaiserschnitt notwendig machen.

Vorbereitung

Zur Operationsvorbereitung muss der Arzt die Patientin über den bevorstehenden Eingriff aufklären. Bei einem "Kaiserschnitt auf Wunsch", der medizinisch eigentlich nicht indiziert ist, sollte der Arzt der Frau Zeit lassen, sich diese Entscheidung gründlich zu überlegen, und sie darauf hinweisen, dass ein nicht medizinisch notwendiger Kaiserschnitt nicht von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt wird. Zu den unmittelbaren Operationsvorbereitungen gehören die Betäubung (Anästhesie) und das Legen eines Blasenkatheters. Der Blasenkatheter wird von außen über die Harnröhre in die Blase vorgeschoben und dient der Entleerung der Harnblase während und in der unmittelbaren Zeit nach der Operation. Bei der Betäubung darf die Patientin zwischen Voll- oder Teilnarkose wählen. Bei der Teilnarkose wird eine rückenmarksnahe Betäubung (Periduralanästhesie, PDA) vorgenommen, die Patientin bleibt bei vollem Bewusstsein. Der Vorteil der Teilnarkose ist entsprechend, dass die Frau die Geburt miterlebt. Bei einem Kaiserschnitt ist die Anwesenheit des Ehemannes auf Nachfrage in der Regel gestattet.

Beschreibung

Beim Kaiserschnitt werden nach einigen Vorbereitungsmaßnahmen mit einem meist queren Hautschnitt in der Höhe der unteren Bauchfalte (sogenannter Pfannenstiehl-Schnitt) die Bauchdecke eröffnet und nachfolgend die beiden Anteile des gerade verlaufenden Bauchmuskels getrennt. Da die Gebärmutter hinter der Harnblase liegt, muss diese noch nach unten gedrängt werden, bevor mit einem kleinen Schnitt die Gebärmutterwand eröffnet werden kann. Wenn das Baby geboren ist, werden auch die Nachgeburt entfernt und dann die Gebärmutterwand und die Bauchdecke wieder zugenäht. Bei der sanfteren und kürzeren Kaiserschnittmethode nach Misgav Ladach erfolgt der Schnitt nur durch die Haut. Das darunter liegende Gewebe wird nur auseinander gedrängt, um an die Gebärmutter zu gelangen. Hierbei sind vor allem die Schmerzen der Mutter nach der Operation geringer als bei der herkömmlichen Methode.

Kontraindikationen

  • Inoperabilität der Mutter

In vielen Fällen ist der Kaiserschnitt eine dringende Notfalloperation, um das Leben von Mutter und Kind bei Komplikationen während der Geburt nicht unnötig zu gefährden. Im Rahmen eines "Kaiserschnitts auf Wunsch" und ohne Notwendigkeit ist natürlich die Operation abzulehnen, sobald der Eingriff eine Gefahr für die Mutter bedeuten würde. Dies ist z. B. bei schweren Herz-Kreislauf-Störungen der Fall.

Risiken während der Behandlung

  • Atemprobleme während der Betäubung
  • Kreislaufschwäche
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Infektion der Wunde
  • Starker Blutverlust
  • Blutdruckabfall
  • Lungenembolie
  • Atemprobleme des Kindes, da das Fruchtwasser nicht, wie bei der vaginalen Geburt, durch den Geburtsvorgang aus der Lunge gepresst wird

Aufgrund des Betäubungsmittels kann es zu Atemproblemen und Kreislaufschwäche während der Narkose kommen. Übelkeit und Erbrechen zählen zu den relativ häufig bei den Patientinnen auftretenden, sehr unangenehmen Nebenwirkungen. Während der Operation kann es auch zu einem starken Blutverlust kommen. Eine relativ häufige Komplikation sind Atemprobleme des Kindes, da das Fruchtwasser nicht durch den Geburtsvorgang selbst aus der Lunge gepresst wird, wie es bei der normalen Geburt automatisch der Fall ist. Lebensbedrohliche Situationen für Frau oder Kind treten aufgrund der Fortschritte in der Medizin relativ selten auf; dennoch ist ein Kaiserschnitt immer mit mehr Risiken behaftet als eine natürliche Geburt.

Risiken nach der Behandlung

  • Schmerzhafte Wundheilung
  • Probleme beim Wasserlassen
  • Schmerzen der Einstichstelle der Betäubung
  • Schmerzen und Schwierigkeiten beim Gehen
  • Kreislaufprobleme
  • Blutarmut
  • Starke Regelschmerzen und Narbenschmerzen
  • kosmetisch unschöne Verheilung der Narbe
  • Aufplatzen der Narbe
  • Probleme bei der Rückbildung der Gebärmutter
  • Rückenschmerzen
  • Anhaltendes Taubheitsgefühl im Bauchbereich (vor allem nach der herkömmlichen Methode)
  • Psychische Probleme der Frau nach Notfalloperation
  • Geburtsprobleme

Als Folge eines Kaiserschnitts treten vor allem Schmerzen im Narben- und Bauchbereich auf, die auch Wochen nach der Operation noch erscheinen können. Unmittelbar nach dem Eingriff kann es zu den üblichen körperlichen Symptomen nach Operationen unter starker Narkose kommen, wie z. B. Kopfschmerzen, Schwindel, Kreislaufproblemen, Übelkeit und anfänglichen Problemen beim Gehen. Da es bei manchen Kaiserschnitten zu einem nicht unerheblichen Blutverlust kommen kann, leiden einige Patientinnen im Anschluss unter Blutarmut und Eisenmangel. Diese sind jedoch gut therapierbar und heilen in der Regel nach einiger Zeit aus. Nach der Operation kann es zu Unregelmäßigkeiten und stärkeren Schmerzen bei der Monatsblutung kommen. Die Narbe verheilt in manchen Fällen kosmetisch nicht gut. Bei der sanfteren Kaiserschnittmethode nach Misgav Ladach sind die Komplikationen nach der Operation bei der Mutter in der Regel geringer als bei der herkömmlichen Methode. Erfolgte der Kaiserschnitt ungeplant in einer Notfallsituation, leiden manche Patientinnen im Anschluss unter dem Gefühl, als Frau versagt zu haben. Dies ist vor allem der Fall, wenn der Eingriff unter Vollnarkose stattfinden musste. Frauen, die eine Schnittentbindung erleben, sind auf der einen Seite erleichtert über die schmerzfreie Geburt, trauern aber auf der anderen Seite, das erste gemeinsame Erlebnis mit ihrem Kind verpasst zu haben.

Rehabilitationsmaßnahmen

Der Blasenkatheter wird in der Regel bis zu zwei Tage nach dem Eingriff entfernt. In manchen Fällen muss die Narbe nochmals chirurgisch versorgt werden. Die Entlassung aus dem Krankenhaus erfolgt in der Regel nach sieben Tagen. Rückbildungsgymnastik sollte nur in Absprache mit dem Frauenarzt begonnen werden. Ab welchem Zeitpunkt nach einem Kaiserschnitt eine weitere Schwangerschaft möglich ist, sollte ebenfalls mit dem Frauenarzt besprochen werden; es ist aber ratsam, zunächst für ca. ein Jahr einen eventuellen weiteren Kinderwunsch zurückzustellen, da die Narbe bis dorthin noch nicht sehr strapazierfähig ist und durch die Dehnung bei einer neuen Schwangerschaft reißen könnte.

Literatur

Pfleiderer u.a.: Gynäkologie und Geburtshilfe, 4. korr. u. aktualis. Auflage, Thieme Verlag Stuttgart 2007; Kiechle: Gynäkologie und Geburtshilfe, Urban & Fischer München 2007; Breckwoldt / Kaufmann u.a. (Hrsg.): Gynäkologie und Geburtshilfe, Thieme Verlag Stuttgart 2008. (bm, 11/2009)

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