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Adenotomie

Synonyme

Rachenmandeloperation, AT

Grundlagen

Vergrößerungen der Rachenmandel (Tonsilla pharyngea) werden als adenoide Vegetationen (oder kurz Adenoide) bezeichnet. Sie sind eine vor allem im Kindesalter häufig anzutreffende Ursache für eine behinderte Nasenatmung. Dies kann einerseits zu Beeinträchtigungen der Schlafqualität als auch zu immer wiederkehrenden Infektionen der oberen Luftwege und der Mittelohren führen. Daher empfiehlt sich in solchen Fällen oftmals die operative Entfernung der Adenoide, die sogenannte Adenotomie. Generell wird dieser Eingriff fast ausschließlich bei Kindern angewendet, da sich vergrößerte Rachenmandeln in der Pubertät zumeist zurückbilden und keine Beschwerden mehr auslösen.

Indikationen

  • Übergroße (hyperplastische) Rachenmandeln (Adenoide) mit Symptomen

Eine wichtige Indikation für eine Entfernung der Rachenmandeln ist ihre Vergrößerung, die sich beispielsweise in ständigem Schnupfen, behinderter Nasenatmung und Schnarchen äußert. Die Verbindung zwischen Nase und Ohr ist beeinträchtigt, sodass sich eine Entzündung des Paukenfells mit einer Ansammlung von Eiter und seröser Flüssigkeit entwickeln kann. Des Weiteren sind oftmals die Nasennebenhöhlen, die Bronchien oder das Mittelohr entzündlich mitbetroffen. Im Rahmen einer behinderten Nasenatmung kann sich ebenfalls das so genannte Schlaf-Apnoe-Syndrom ausbilden. Diese Erkrankung fällt auf durch einen unruhigen und ineffektiven Schlaf mit einigen Aussetzern der Atmung.

Vorbereitung

In der präoperativen Phase muss der Patient über mögliche Folgen und Risiken der Operation aufgeklärt werden. Aufgrund der Möglichkeit einer Nachblutung sollten neben einer ausführlichen Anamnese, die Fragen nach einer gestörten Gerinnung, blutverdünnenden Medikamenten etc. abklären sollte, Blutgerinnungsparameter im Blut überprüft werden. Hierzu werden Blutplättchen (Thromozyten), partielle Thromboplastinzeit (PTT) und die Thromboplastinzeit (TPZ, Quick-Wert) bestimmt.

Beschreibung

Die Operation verläuft als Intubationsnarkose, während der der Patient künstlich beatmet werden muss. Während der Operation nimmt der Patient eine liegende Position ein, mit zurückgelegtem Kopf. Die vergrößerte Rachenmandel wird mit dem so genannten Beckmann-Ringmessers "herausgeschält" bzw. entfernt.

Kontraindikationen

  • Agranulozytose
  • Leukämie
  • Poliomyelitis
  • Blutgerinnungsstörungen

Absolute Kontraindikationen werden heute eigentlich nicht mehr benannt. Doch bei einer stark verminderten Anzahl bestimmter Abwehrzellen im Blut (Agranulozytose) oder bei einer Leukämie (Erkrankung mit veränderten und unwirksamen Blutzellen) sollte diese Operation nicht unbedingt vorgenommen werden, da es postoperativ zu einer Abwehrschwäche kommen kann. Leidet der Patient gleichzeitig an einer entzündlichen Erkrankung von Gehirn, Hirnhäuten und Rückenmark (Poliomyelitis), vermeidet man ebenfalls diese Therapieform. Eine gewisse Zurückhaltung besteht für angeborene Formabweichungen wie z. B. für die offene Gaumenspalte. Dies gilt ebenfalls für die sog. trockenen Schleimhäute (Pharyngitis sicca) und generell für Patienten, die jünger als vier Jahre sind. Zurückhaltung bei einem unzureichenden Blutgerinnungsvermögen versteht sich.

Risiken während der Behandlung

  • Blutungen
  • Verletzung von Nerven, Gefäßen und Gewebe
  • Aspiration, eventuell mit nachfolgender Lungenentzündung

Intraoperativ kann es zu verstärkten Blutungen kommen. Nerven, Gefäße und andere Gewebe (wie auch die Zähne) können verletzt werden. Durch ein Einatmen von Blut und anderen Substanzen kann sich eine schwere Lungenentzündung, eine Aspirationspneumonie, entwickeln.

Risiken nach der Behandlung

  • Nachblutung
  • Aspirationspneumonie
  • Wundinfektion
  • Lokale Vergrößerung des Lymphgewebe
  • Rhinophonie (Nasale Sprache)
  • Verengungen des Rachenraums
  • Schwäche des Gaumensegels

Nachdem die Wirkung der Betäubung nachgelassen hat, weiten sich die Gefäße etwas und es kann zu örtlichen Nachblutungen kommen. Sammeln sich das Blut oder andere Bestandteile im Rachen des Patienten, kann durch das Einatmen dieser Substanzen eine schwere Lungenentzündung (Aspirationspneumonie) entstehen. Nach etwa einer Woche wird der Wundschorf abgestoßen und es kann erneut etwas nachbluten. Nachblutungen sind im Rahmen dieser Therapie eine Notfallsituation und bedürfen einer raschen Behandlung! Weiterhin können sich (wie generell bei jeder Operation) die Wundflächen entzünden. Als eine Spätkomplikation kann das Lymphgewebe in dieser Gegend etwas an Größe zunehmen, was zu einem Fremdkörpergefühl führen kann. Die Rachenmandeln gehören zum körpereigenen Immunsystem, indem sie Abwehrzellen (Lymphozyten) produzieren. Wenn diese Abwehrstation nun nach einer Entfernung entfällt, wird ebenfalls die Abwehr etwas geschwächt. Daher sollte auf eine Operation vor vollendetem vierten Lebensjahr verzichtet werden, da in dieser Zeit das Abwehrsystem noch aufgebaut wird. Sehr selten kann sich eine nasale Sprachbildung entwickeln, der Rachenraum kann sich aufgrund lokaler Veränderungen verengen und das Gaumensegel kann geschwächt werden.

Rehabilitationsmaßnahmen

Der Oberkörper sollte aufrecht gelagert werden, damit das Blut unbehindert abfließen kann. Erst nach mindestens sechs Stunden kann die erste Flüssigkeit aufgenommen werden. Unter regelmäßiger Kühlung und medikamentöser Behandlung wird eine Abschwellung des Gebiets unterstützt. Es sollte anfangs auch eher kühle und weiche Nahrung zugeführt werden. Zu vermeiden sind körperliche Anstrengungen und Überhitzungen des Körpers durch z. B. heiße Bäder etc. Hierdurch werden Nachblutungen gefördert. Bei eventuellen Nachblutungen werden die betroffenen Gefäße unterbunden.

Literatur

Boenninghaus / Lenarz: HNO, 13. Auflage, Springer Verlag Heidelberg 2007; Friedrich Carl Sitzmann: Duale Reihe Pädiatrie, 3. Auflage, Thieme Verlag, Stuttgart 2006; Emminger (Hrsg.): Exaplan, 5. Auflage, Urban & Fischer München 2007. (ns, 10/2009)

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