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Mundgeruch, Foetor ex ore, Halitosis.

Definition

Mundgeruch (Foetor ex ore) ist der objektiv, oder auch nur subjektiv empfundene Geruch, der von einer Person ausgeatmeten Luft. Diese Gerüche entstehen infolge von Fäulnisvorgängen im Mund oder sind Ausdruck einer Stoffwechselstörung oder einer anderen Erkrankung, können aber häufig auch durch ungenügende Nahrungsaufnahme hervorgerufen werden.

Ursachen

Mundgeruch kann vielfältige Ursachen haben. Meist entsteht er, wenn Speisereste, Zellen, Blut oder Eiweiße von Bakterien zersetzt werden. Dabei werden flüchtige Stoffe wie Azeton oder Sulfid freigesetzt, die im Umfeld als übel riechend wahrgenommen werden. Entgegen der weit verbreiteten Meinung stammt der Mundgeruch fast nie aus dem Magen oder aus der Speiseröhre, sondern zu 85 - 95% aus dem Mund. Meist liegt es dann an mangelnder oder falsch ausgeübter Mundhygiene. Die beliebtesten Plätze der oben genannten Bakterien sind Karieshöhlen, Zahnzwischenräume, Zahnfleischtaschen und Lücken in Zahnprothesen. Allerdings kann auch eine unzureichende Speichelbildung zu schlechtem Atem führen, so meist bei großer Aufregung, Dauerstress, nach langen Reden oder früh morgens, wenn der Mund ausgetrocknet ist. Allerdings kann Mundgeruch auch Symptom für andere Krankheiten sein. Grundsätzlich sind Erkrankungen von Mund, Nase oder Rachen, Krankheiten innerer Organe, oder Stoffwechselerkrankungen mögliche Ursachen. Beispielsweise befördert aufsteigende Magensäure bei übermäßigem Sodbrennen, oder bei einer Refluxkrankheit winzige Essensreste zurück in die Speiseröhre, wo sie dann zersetzt werden. Ebenso können eitrige Mandelentzündungen, chronische Bronchitis, schwere Lungenentzündung, Scharlach, entgleister Diabetes mellitus, Nieren- oder Leber-Erkrankungen einen für diese Krankheiten charakteristischen Mundgeruch verursachen. Vergiftungen mit bestimmten Substanzen rufen ebenfalls typische Geruchsveränderungen hervor. Nicht organisch oder krankheitsbedingt kann Mundgeruch auch durch stark gewürzte Speisen, ätherische Öle in Nahrungsmitteln (z. B. Knoblauch) oder Alkohol- und Nikotinaufnahme entstehen. Wird der Mundgeruch nur von dem Betroffenen selbst empfunden, kann auch eine psychisch bedingte Missempfindung vorliegen.

Symptome

Je nach Ausmaß und Art des Mundgeruchs kann auf eine eventuell zugrunde liegende Krankheit geschlossen werden. So tritt ein übel riechender, stinkender Mundgeruch bei Mandelentzündungen, vereiterten Mandeln, Entzündungen der Mundschleimhaut, Zahneiterungen, vermindertem Speichelfluss oder bei Tumoren in diesem Bereich auf. Bei bestimmten Infektionen (z. B. Diphterie oder eine Angina Plaut-Vincenti) wird dagegen ein eher süßlicher Geruch beschrieben. Fauliger Mundgeruch ist typisch bei Lungenerkrankungen und Aussackungen der Speiseröhre (Divertikel), sauer-faulig bei Magenerkrankungen (z. B. chronischer Gastritis, Magenkarzinom). Bei einer Niereninsuffizienz kann es zum Übertritt von Harnsubstanzen ins Blut kommen. Der eventuell entstandene Mundgeruch bei einer solchen Urämie wird daher als urinös beschrieben. Bei schweren Lebererkrankungen riecht der sogenannte Foetor hepaticus (lat.: hepar "Leber") nach frischer Leber. Bei strengem Fasten, Hungern oder beim diabetischen Koma riecht die Atemluft nach Azeton, dem Geruch von Obst ähnelnd. Blausäure oder Zyankali-Vergiftungen führen zu einem nach Bittermandel riechenden Atem. Phosphor bringt einen nach Knoblauch riechenden Atem mit sich und Drogen führen oft zu einem aromatischen Mundgeruch.

Diagnostik

Die Krankengeschichte und die Schilderung der Symptome geben dem Arzt erste Hinweise auf mögliche Ursachen für den Mundgeruch. Oft stellt der Arzt den Mundgeruch auch erst bei einer körperlichen Untersuchung fest. Auskünfte über Genussmittel, Ernährungsgewohnheiten, Zahnpflege und eventuelle chronische Allgemeinerkrankungen sowie die Geruchscharakteristika helfen dem Arzt, den Mundgeruch als mögliches Krankheitssymptom einzuordnen. Zur körperlichen Untersuchung gehören die Betrachtung der Mundhöhle, der Zähne, der Lunge und des Bauches. Weitere diagnostische Maßnahmen wie z. B. Laboruntersuchungen des Blutes, Röntgen der Lunge, Endoskopie des Magens oder Ultraschalluntersuchungen des Bauchraums können zur Abklärung eines Krankheitsverdachtes herangezogen werden. Wird eine Magenerkrankung als mögliche Ursache vermutet, ist eine Suche nach dem häufigsten bakteriellen Erreger des Magengeschwürs sehr sinnvoll, dem Heliobacter pylori.

Auswirkungen

Mundgeruch kann als Krankheitssymptom auf eine schwerwiegende Erkrankung hinweisen, die unbedingt medizinisch behandelt werden muss. Der Mundgeruch selbst wird von den Betroffenen und dem Umfeld als unangenehm und störend empfunden. Im Kontakt mit anderen Menschen sind Betroffene oft unsicher und schämen sich. Geeignete Therapien sind daher auch bei nicht krankheitsbedingtem Mundgeruch von großer Bedeutung.

Therapie

Da Mundgeruch oft ein Hygieneproblem ist, sollte zuerst die Art der Zahnpflege hinterfragt werden. Meist liegt es an der falschen Putztechnik. Wie richtig geputzt wird, kann auch beim Zahnarzt erfragt und erlernt werden. Mit einer Interdentalbürste, die auch in die Zahnzwischenräume gelangt, ist das richtige Putzen einfach und äußerst wirksam, eine Munddusche oder Zahnseide für die Zwischenräume leistet unerlässliche Hilfe. Nicht vergessen werden darf die Zunge, zwischen den Vertiefungen der sogenannten Zungenpapillen können sich ebenfalls Speisereste und abgeschilferte Zellen befinden, die einen guten Nährboden für Bakterien bilden. Diese werden entfernt, indem die Zunge gut abgeschrubbt oder mit einem Messerrücken "abgekratzt" wird. Nach dem Putzen sollte auch eine Mundspülung verwendet werden - allerdings kein antibakterielles Mundwasser, da es die nützlichen Bakterien der Mundflora zerstört. Am besten wirkt die Spülung mit Salbei und Kamille oder einer verdünnten Myrrhe-Tinktur. Falls zu geringe Speichelbildung die Ursache ist, hilft viel Trinken, das Essen von Obst zwischendurch oder das Kauen von zuckerfreiem Kaugummi. Mundgeruch, der bei schwerwiegenden Krankheiten auftritt, verschwindet meist, wenn diese erfolgreich behandelt werden. Hierzu sollte natürlich der entsprechende Facharzt aufgesucht werden, der eine geeignete Therapie in die Wege leiten kann.

Prophylaxe

Eine ausreichende und korrekte Mundpflege ist die beste Voraussetzung, um die Entstehung von hygienebedingtem Mundgeruch zu vermeiden. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass die Maßnahmen nicht zu Schäden an der Mund- und Rachenschleimhaut führen. Ist eine Erkrankung verantwortlich, sollte diese so frühzeitig und umfassend wie möglich behandelt werden.

Bemerkungen

Literatur: Praxisleitfaden Allgemeinmedizin, Gesenhues, Urban & Fischer, 4. Aufl., 2003; Psychrembel, De Gruyter, 261. Aufl., 2007; Mutschler, Vaupel - Allgemeine und spezielle Krankenpflege, 3. Auflage; Kohlhammer - Das neue Lehrbuch der Krankenpflege, 2. Auflage; Roche Lexikon Medizin, Urban & Schwarzenberg, 5. Aufl., 2003. ab;ml; aktualisiert: 01/2010

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  • Verdauungsorgane
  • Mund-, Nasen- und Rachenraum

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