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Eileiterschwangerschaft, Extrauterin-Gravidität, Bauchhöhlenschwangerschaft.

Definition

Unter einer extrauterinen Schwangerschaft versteht man eine Schwangerschaft, bei der sich das befruchtete Ei außerhalb der Gebärmutterhöhle (Cavum uteri) einnistet. In etwa 95% dieser Fälle nistet sich das Ei im Eileiter (Tubargravidität) ein, in den restlichen Fällen im Eierstock (Ovarialgravidität), am Gebärmutterhals (cervikale Gravidität) oder in der freien Bauchhöhle (Peritonealgravidität). Auf 100 ausgetragene Schwangerschaften kommt ca. eine Extrauterin-Gravidität (lat. gravida = "schwanger"; extra = "außerhalb, außen"). Sie kann zu einem akuten, lebensbedrohlichen Notfall werden, der einer schnellen medizinischen Versorgung bedarf.

Ursachen

Bei einer normal verlaufenden Schwangerschaft hat das befruchtete Ei nach der Wanderung durch den Eileiter die Gebärmutterhöhle erreicht und nistet sich dort ein. Im Fall der extrauterinen Schwangerschaft entwickelt sich die Frucht außerhalb der Gebärmutter. Dafür kann es verschiedene Gründe geben: 1. Eine Behinderung der Ausschüttung des Eies aus dem Eierstock. 2. Eine Verzögerung der Eiwanderung im Eileiter. 3. Eine Verlängerung des Weges. Diese können durch verschiedene Ursachen entstehen bzw. entstanden sein: durch Verwachsungen und Vernarbungen nach früheren Entzündungen (z. B. Blinddarmentzündung, Eileiterentzündung, Bauchfellentzündung, Bauchoperationen), durch Verkleben oder Zusammendrücken des Eileiters (frühere Eileiterentzündung, Endometriose), Verkrampfungen der Eileitermuskulatur, sog. Tubenspasmen, durch abnorm lange Eileiter, z. B. bei einer Hypoplasie der Gebärmutter, durch Anwendung einer Spirale (IUP) zur Verhütung oder durch künstliche Befruchtung. Je nach der Lokalisation des eingenisteten Eies unterscheidet man die Eileiterschwangerschaft (Tubargravidität), die Eierstockschwangerschaft (Ovarialgravidität) und die Bauchhöhlenschwangerschaft (Abdominalgravidität). Die durch eine Eileiterschwangerschaft (95 - 99% der Fälle) hervorgerufenen Beschwerden werden maßgeblich dadurch bestimmt, in welchem Abschnitt des Eileiters die Einnistung des Eies erfolgt. Man unterscheidet daher: 1. Ampulläre Tubengravidität (das dem Eierstock zugewandte Ende, das weite Stück des Eileiters). 2. Isthmische Tubengravidität (das schmalere Stück des Eileiters, welches der Gebärmutter zugewandt ist). 3. Interstitielle Gravidität (lat.: interstitium = Zwischenraum; das Stück, das in die Gebärmutter mündet, also der Übergang von Eierstock in Gebärmutter). Dabei ist eine Schwangerschaft im weitlumigen, ampullären Teil mit ca. 66% am häufigsten. Im engen isthmischen Teil findet eine Einnistung bei ca. 33% der Eileiterschwangerschaften statt, und im noch engeren interstitiellen Teil nur bei ca. 1% der Fälle.

Symptome

Eine Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter entwickelt sich zunächst wie eine normale Schwangerschaft und zeigt auch ähnliche Symptome, z. B. Übelkeit und Brustspannen. Manche Frauen haben jedoch keine Beschwerden und wissen überhaupt nicht, dass sie schwanger sind. Wenn Blutungen auftreten, können sie schwach sein oder bräunlichem Ausfluss ähneln. Oft sind sie schwer von einer normalen Regelblutung zu unterscheiden. Schmerzen im Unterleib bzw. Bauch in Kombination mit einem Ausbleiben der Regelblutung, einem positiven Schwangerschaftstest und eventuell auftretenden Blutungen lenken den Verdacht auf eine Eileiterschwangerschaft. Die Ausprägung der Beschwerden richtet sich auch nach der Lokalisation der Frucht. 1. Interstitielle und isthmische Eileiterschwangerschaft: Da hier der Eileiter relativ eng ist, kommt es, bedingt durch das wachsende Ei, schon sehr früh (ab der 5. - 6. Woche) zu Beschwerden. Charakteristisch sind starke einseitige Unterleibsschmerzen. Unwohlsein, Schwindel und Ohnmacht können hinzutreten. Ein Ausbleiben der Behandlung kann zu diesem Zeitpunkt zu einem lebensbedrohlichen Eileiterriss führen. 2. Ampulläre Schwangerschaft: Bei dieser Lokalisation entwickeln sich die Beschwerden langsamer und können relativ untypisch sein. Daher ist die Diagnosestellung für den Arzt oft erschwert. Da dieser Eileiterabschnitt weiter ist, kommt es erst später (ab der 5. - 8. Woche) zu Symptomen. Die gestörte Fruchtentwicklung führt zu einem Absinken des HCG-Wertes (Human Chorionic Gonadotropine). Das HCG wird ab der 2. Schwangerschaftswoche gebildet und erreicht sein Maximum im 2. - 3. Schwangerschaftsmonat. Der Nachweis des HCG im Urin oder im Blutserum dient als Schwangerschaftsnachweis. Es unterhält die Weiterentwicklung des Eies und fördert die Produktion der Steroidhormone, welche für den Erhalt der Schwangerschaft von Bedeutung sind. Das Absinken des HCG bewirkt leichte Blutungen (Hormonentzugsblutungen). Oft bestehen gleichzeitig, meist um die 6. - 8. Woche, einseitige Spannungsschmerzen, die langsam an Intensität zunehmen. Ferner kommt es zu Blutungen in das Eibett und in den Eileiter. Sammelt sich das Blut im tiefsten Punkt der Bauchhöhle (Douglasraum), ist es vom Arzt in der Ultraschalluntersuchung zu erkennen. Mehr als die Hälfte der außerhalb der Gebärmutter liegenden Schwangerschaften enden aufgrund der ungünstigen Verhältnisse mit einer Fehlgeburt. 3. Ovarialgravidität: Diese Schwangerschaften sind weder von der Symptomatik noch von den Befunden sicher von einer Eileiterschwangerschaft abzugrenzen. 4. Bauchhöhlenschwangerschaft: Da bei einer Abdominalschwangerschaft die Raumbegrenzung fehlt, sind hier die Symptome sehr unterschiedlich und uncharakteristisch. Einige dieser Schwangerschaften wurden sogar ausgetragen und per Kaiserschnitt entbunden. Treten Symptome wie Schwindel, Müdigkeit oder Ohnmacht auf, was auf einen stärkeren Blutverlust hinweist, sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden.

Diagnostik

Oft weisen die Symptome wie Unterleibsschmerzen in Verbindung mit leichten Schmierblutungen nach kurzfristiger ausbleibender Monatsblutung auf eine extrauterine Schwangerschaft hin. In diesem Zusammenhang sollte auch an eine früher durchgemachte Eileiterentzündung gedacht werden. Ebenfalls verdächtig sind vorausgegangene Extrauterin-Schwangerschaften, eine Sterilisationsbehandlung und ein früheres oder derzeitiges Tragen der Spirale. Bei der gynäkologischen Tastuntersuchung kann die Gebärmutter aufgelockert sein. Die Gebärmuttergröße entspricht nicht dem Gestationsalter (der Schwangerschaftsdauer). Ebenfalls ausfallend ist ein Verschiebeschmerz im Bereich des Gebärmutterhalses (Zervix) und die Schmerzempfindlichkeit des Douglas-Raumes. Diese sind als Warnsymptome zu deuten. Der Urin-Schwangerschaftstest ist in vielen Fällen positiv. Der serologische HCG-Test ist ebenfalls positiv im Sinne einer Schwangerschaft. Wird dann eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt, so gibt sich dem Arzt das Bild eines "leeren" Uterus. Dieser Befund und der positive HCG-Test legen eine extrauterine Schwangerschaft nahe. Mit einer vaginalen Sonographie (Ultraschalluntersuchung durch die Vagina) kann man dann eine extrauterine Einnistung ab der 6. Woche bestätigen. Des Weiteren kann man zur Befunderhebung die Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) untersuchen. Ihr Zustand kann auf eine extrauterine Schwangerschaft hindeuten. In den meisten Fällen wird zur Sicherung der Diagnose eine Laparoskopie durchgeführt, die auch gleichzeitig, wenn ein Befund vorliegt und gesichert wurde, ein therapeutisches Vorgehen (siehe Therapie) ermöglicht.

Auswirkungen

Bei einer Extrauterin-Gravidität kann das verdrängende Wachstum der Frucht zu einer Schädigung der Organe (Eierstock, Eileiter) und der begleitenden Gefäße führen. Gefürchtet sind größere Blutverluste in den Bauchraum mit der Folge eines akuten Abdomens bzw. eines Blutungsschocks. Eine extrauterine Gravidität hat Auswirkungen auf eine erneute Schwangerschaft. Diese Auswirkungen sind abhängig von der Lokalisation und der zuvor angewandten Therapie. Nach einer extrauterinen Schwangerschaft kommt es bei etwa einem Zehntel der Fälle zu einem erneuten Auftreten. Die Chance für eine nachfolgende Schwangerschaft in der Gebärmutterhöhle liegen bei 30 - 50% nach Entfernung des betroffenen Eileiters, nach eileitererhaltenden OP-Verfahren (mikrochirurgisch bzw. pelviskopisch) bei 50 - 60%. Muss ein Eileiter entfernt werden, so beträgt das Wiederholungsrisiko einer erneuten Eileiterschwangerschaft ca. 10% im gesunden, noch vorhandenen Eileiter.

Therapie

Die Therapie einer extrauterinen Schwangerschaft richtet sich nach der Lokalisation der Implantation des Eies, dem Entwicklungsstadium, und dem Zustand der Patientin. Wenn die Schwangere keine Beschwerden, oder nur leichte Schmerzen im Unterleib und keine Blutungen in der Bauchhöhle hat, ist ein abwartendes Verhalten gerechtfertigt. Die Patientin sollte jedoch zur Beobachtung stationär aufgenommen werden, da der Eileiter innerhalb kürzester Zeit aufplatzen, und dabei ein großer Blutverlust entstehen kann. Ziel der Operation ist es, den Eileiter möglichst zu erhalten. Durch einen kleinen Einschnitt wird das Ei entfernt. Manchmal, bei stark geschädigtem Eileiter bzw. bei starken Blutungen, muss der gesamte Eileiter entfernt werden. In Einzelfällen ist eine medikamentöse Therapie mit Methotrexat möglich. Es handelt sich hierbei um ein Zellgift, das als Infusion über eine Vene injiziert wird und das Wachstum hemmt. Dies hat zur Folge, dass das befruchtete Ei abstirbt. Eine Routinebehandlung hiermit wird zur Zeit jedoch nicht angeboten.

Prophylaxe

Eine direkte Prophylaxe gibt es nicht. Es gibt, wie oben erwähnt, bestimmte Vorerkrankungen oder Gegebenheiten, welche das Auftreten einer extrauterinen Gravidität begünstigen, jedoch gibt es keine Prophylaxe im eigentlichen Sinne. Die Betroffene sollte bei unklaren Beschwerden frühzeitig einen Arzt aufsuchen, da es unter Umständen zu lebensbedrohlichen Zuständen kommen kann.

Bemerkungen

Literatur: Pfleiderer et al. Gynäkologie und Geburtshilfe, 4. Auflage, Thieme Verlag 2007; Duale Reihe Gynäkologie und Geburtshilfe, 3. Auflage, Thieme Verlag 2007. ab;ml; aktualisiert: 01/2010

Regionen

  • Geschlechtsorgane

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