Gute Informationen zur Gesundheit
Prostatavergrößerung, Prostatahyperplasie, Prostata-Adenom.
Definition
Die Entwicklung einer benignen Prostatahyperplasie (gutartige Vergrößerung der Vorsteherdrüse) ist beim Mann mit zunehmendem Alter eine nahezu generelle Erscheinung. Sie lässt sich bei der Hälfte der 50-jährigen und bei über 90% der 80-jährigen nachweisen. Es handelt sich um eine Zellvermehrung der inneren Drüsenanteile, die zur Einengung der Harnröhre führen. Man unterscheidet anhand der auftretenden Symptome drei Stadien: Das Reizstadium, das Restharnstadium und das Dekompensationsstadium.
Ursachen
Ursächlich wird eine Abnahme der Produktion männlicher Sexualhormone (Androgene, z. B. Testosteron) bei konstant bleibender Östrogenproduktion (weibliches Sexualhormon, das auch von Männern produziert wird) verantwortlich gemacht. Folge ist ein Testosteron-Östrogen-Ungleichgewicht. Der Östrogenüberschuss regt die Drüsenzellen zur Vermehrung an.
Symptome
Das Stadium I (Reizstadium) macht sich durch eine Verzögerung beim Wasserlassen (Miktion), verlängerte Miktionszeit, geringes Nachtröpfeln und häufigen, auch nächtlich auftretenden Harndrang bemerkbar. Die Blase kann vollständig entleert werden. Im Stadium II (Restharnstadium) nehmen die Beschwerden beim Wasserlassen zu. Die Blase kann nicht mehr vollständig entleert werden, nach dem Wasserlassen verbleibt also Restharn in der Blase. Die Blasenwand verdickt sich und es bildet sich eine sogenannte Balkenblase aus. Der Restharn bildet den Nährboden für Harnwegsinfektionen, die nun vermehrt auftreten. Außerdem lässt sich gelegentlich Blut im Urin nachweisen (Hämaturie). Das Stadium III ist das Stadium der Dekompensation. Es kommt zur Entwicklung einer Überlaufblase mit ständigem sowie unkontrolliertem Harnabgang bei maximal gefüllter Harnblase. Weiterhin kann es zum vollständigen Harnverhalt kommen. Dies führt zum Rückstau des Harns in die Harnleiter bis hinauf in die Nieren (Hydronephrose). Die Folgen daraus sind eine erhöhte Infektanfälligkeit und Nierenfunktionsstörungen bis zum Nierenversagen (Niereninsuffizienz).
Diagnostik
Am Anfang der Diagnostik steht das ausführliche Anamnesegespräch, dem sich die allgemeine körperliche Untersuchung anschließt. Hierzu gehört auch die rektale Untersuchung, also das Abtasten der Prostata durch den After. Aufgrund der anatomischen Nachbarschaft von Enddarm und Prostata lassen sich Vergrößerungen, Verhärtungen und Unregelmäßigkeiten der Oberfläche (z. B. Knoten) der Prostata sicher ertasten. Bei der Hyperplasie ist die Prostata gut von der Umgebung abgrenzbar und oberflächlich glatt. Als kaum belastende Methode liefert die Ultraschalluntersuchung (Sonografie) gute Ergebnisse bei der Größenschätzung und der Beurteilung der örtlichen Ausdehnung einzelner Organteile. Eine Ultraschallbeurteilung der Prostata ist durch die Bauchdecke (transabdominal) und vom Enddarm aus (transrektal) möglich, wobei die transrektale Methode genauere Ergebnisse, vor allem bei der Schätzung des Organgewichts, ermöglicht. Für die Beurteilung der Blase, der Nieren und der ableitenden Harnwege sowie für die Restharnmessung ist die Ultraschallmethode unerlässlich. Die entscheidenden Vorteile der Sonografie bestehen in der raschen und einfachen Durchführbarkeit, der nicht-invasiven und nicht-belastenden Anwendung sowie im hohen Informationsgehalt. An radiologischen Untersuchungen sind das Ausscheidungsurogramm oder das retrograde Urethrogramm zu nennen. Beim Ausscheidungsurogramm wird dem Patienten Kontrastmittel in eine Vene gespritzt. Anschließend wird geröntgt. Man kann so die Verhältnisse in den Harnwegen beurteilen. Bei der Prostatahyperplasie kann zumeist eine Verengung der Harnröhre im Bereich der Drüse diagnostiziert werden. Auch Veränderungen an der Blase, den Harnleitern und den Nieren können häufig nachgewiesen werden. Weitere diagnostische Verfahren sind die Urethrozystoskopie (Spiegelung der Harnröhre, der sichtbaren Prostataanteile und der Harnblase mit Hilfe eines Endoskops), die Urinflussmessung und Laboruntersuchungen zur Erkennung von Folgezuständen der Harnwegseinengung (Urinstatus, Bakteriologie, Nierenwerte). Bei Verdacht auf eine nicht (ausschließlich) durch die Prostatavergrößerung bedingte Blasenentleerungsstörung ist unter Umständen eine neurourodynamische Untersuchung angebracht, um eventuelle andere Ursachen (Nervenschädigungen, z. B. durch Bandscheibenvorfall, Zuckerkrankheit) zu erfassen. Eine weitere Untersuchung ist die Ermittlung des Prostata-spezifischen-Antigens (PSA). Hierbei handelt es sich um einen Tumormarker, der - im Falle einer Überschreitung definierter Normwerte - den Verdacht auf ein Prostatakarzinom lenken kann. Einen sicheren Hinweis gibt diese Bestimmung jedoch nicht, weshalb eine Prostatabiopsie, bei welcher Gewebe entnommen und mikroskopisch untersucht wird, zur endgültigen Beurteilung erhöhter PSA-Werte durchgeführt wird.
Auswirkungen
Unbehandelt kann die zunehmende Vergrößerung der Vorsteherdrüse zu Blasensteinen und durch den Harnrückstau bedingt zu Störungen der Nierenfunktion bis hin zum Nierenversagen führen. Abgesehen von den subjektiv störenden Erscheinungen wie Harndrang, Nachtröpfeln und Kontrollverlust über die Blasenfunktion kann es zu wiederkehrenden Entzündungen der Harnwege mit eventueller Ausbreitung über den Blutweg auf den ganzen Körper (Urosepsis) kommen.
Therapie
Im Stadium I wird ein konservatives (nicht operatives) Vorgehen bevorzugt. Durch Vermeidung von Alkohol, Nikotin und Kälte, Behandlung von Begleiterkrankungen (z. B. optimale Einstellung eines Diabetes mellitus) sowie durch medikamentöse Behandlung mit Alpharezeptorenblockern oder pflanzlichen Präparaten lassen sich die Symptome häufig bessern. Hierbei ist vor allem die Palette der Kürbiskern-Präparate zu nennen. Jedoch ist bei deutlichem subjektivem Leidensdruck auch die Indikation für eine Operation gegeben. Eindeutige Indikationen für ein operatives Vorgehen in Stadium II und III sind Restharnmengen über 100 ml, wiederkehrender Harnverhalt, Veränderungen an der Harnblase, Entwicklung einer Überlaufblase und gestaute Nieren. Die Methode zur operativen Behandlung der Prostatahyperplasie ist die transurethrale Resektion (TUR), das heißt eine Abtragung der zentralen Prostataanteile durch die Harnröhre. Diese Methode bietet bei geeigneten Patienten die geringsten Belastungen und Komplikationen. Ist die TUR nicht durchführbar, muss eine offene chirurgische Entfernung der betroffenen Prostataanteile erfolgen. Vor allem bei Risikopatienten wird jedoch oftmals eine weitere Alternative bevorzugt. Beispielsweise wenn eine sehr große Prostata vorhanden ist oder ein erhöhtes Blutungsrisiko sowie eine insgesamt schlechte OP-Möglichkeit bestehen. In diesen Fällen stehen eine Abtragung der betroffenen Prostatateile mittels einer elektrischen Schlinge (TUR-P), eine Thermobehandlung oder eine Laseroperation zur Verfügung. Kommt es zu einer bakteriellen Entzündung, kann mit Antibiotika therapiert werden.
Prophylaxe
Einen vorbeugenden Schutz vor der Vergrößerung der Prostata im Alter gibt es nicht. Eine frühzeitige Diagnose ist daher wichtig. Im Rahmen der Krebsfrüherkennung beim Mann wird von den Krankenkassen ab dem 45. Lebensjahr eine jährliche Untersuchung übernommen, die neben einer umfassenden Anamnese, einem Test auf Blut im Stuhl, einer Untersuchung der Haut, der Leistenregion und der äußeren Genital- und Analregion auch eine manuelle Untersuchung von Mast- beziehungsweise Enddarm sowie der Vorsteherdrüse beinhaltet.
Bemerkungen
Weitere Informationen und Selbsthilfe-Kontakte finden Sie u. a. unter: http://www.prostata.de. Die minimal invasive Therapie der Prostatavergrößerung wird fachmedizinisch gut erklärt auf der URL: http://www.dimdi.de. Literatur: Praxis der Urologie, Thieme 1994; Die Innere Medizin, Schattauer 2000; Urologie, Rübben, 13. Auflage, Thieme 2004; Basiswissen Urologie, Gasser, 4. Auflage, Springer Verlag Heidelberg 2008. nj;ml aktualisiert: 02/2010
Regionen
- Geschlechtsorgane
- Niere / Harnwege / Mineralhaushalt
Nutzungsbedingungen
Die Informationen der AOK ersetzen nicht die Betreuung, Beratung und Versorgung durch Ärzte, Krankenhäuser, Apotheker und anderen Leistungserbringern. Alle Informationen sind unverbindlich und für Patienten gedacht, die allgemeine medizinische und gesundheitliche Fragen haben.
Die Informationen der AOK Experten basieren auf deren aktuellen Wissensstand. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit oder Rechtzeitigkeit der Antworten und Informationen wird jede Haftung ausgeschlossen. Ebenso kann für Fehler bei der Übermittlung im Internet keinerlei Gewähr übernommen werden.
Bei akuten Symptomen ist der Hausarzt, dessen Vertreter (ärztlicher Notdienst) oder in lebensbedrohlichen Situationen der Rettungsdienst (Telefon 112) zu informieren.

