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Gicht, Arthritis urica, Gichtarthritis, Hyperurikämie.

Definition

Bei der Gicht handelt es sich um eine Störung des Eiweißstoffwechsels, die meist mit erhöhten Konzentrationen der Harnsäure (Hyperurikämie) im Blut und in den Geweben einhergeht. Auch der Verzehr eiweißreicher Nahrung wie Fleisch, Fisch, Innereien, Spinat oder Bohnen führt zu kurzfristigen Harnsäureerhöhungen. Ist die Konzentration der Harnsäure im Blut jedoch langfristig erhöht, kommt es zur Ablagerungen von Harnsäurekristallen in Gelenken und Weichteilen wie Sehnenscheiden, der Ohrmuschel oder Schleimbeuteln. Die Gelenkbinnenhaut reagiert auf die Ablagerungen der Harnsäurekristalle mit einer Entzündung, dies führt zu einer schmerzhaften Bewegungseinschränkung des betroffenen Gelenks. Diese Symptome zeigen sich aber erst nach einer Krankheitsdauer von ca. 20 - 30 Jahren.

Ursachen

Die Gicht wird entweder angeboren vererbt (primäre Form) und kommt hier vor allem bei Männern vor (ca. 90% der Fälle) oder entsteht infolge einer anderen Grunderkrankung bzw. einer medikamentösen Behandlung (sekundäre Form). Auslöser eines akuten Gichtanfalls sind der übermäßige Konsum alkoholischer Getränke oder Nahrungsmittelexzesse, vorangegangene Operationen, Stress oder die Einnahme von Entwässerungsmedikamenten. Die Gelenkbinnenhaut reagiert auf die Ablagerung der Harnsäurekristalle mit einer Entzündung, was zunächst zu einer schmerzhaften Bewegungseinschränkung des betroffenen Gelenks, langfristig sogar zur Auflösung des Gelenkknorpels führt. Die primäre Form wird bedingt durch einen von Geburt an vorliegenden Gendefekt. Sie manifestiert sich aber erst mit dem Zustandekommen einer hohen Harnsäurekonzentration. Dies ist bei dem häufiger betroffenen männlichen Geschlecht in der Regel zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr der Fall, Frauen sind seltener und später betroffen. Solange keine Harnsäureerhöhung zustande kommt, bleiben auch die Symptome aus. Deshalb tritt Gicht auch vermehrt in der sog. Wohlstandsgesellschaft auf, in den Ländern der Dritten Welt ist sie dagegen selten. Des Weiteren kann die Harnsäureproduktion des Körpers erhöht sein. Eine verminderte Ausscheidung der Harnsäure in der Niere findet sich bei nahezu allen Gichtpatienten. Die sekundäre Form, welche sich häufiger bei Frauen manifestiert, tritt bei Erkrankungen auf, die mit einer Vermehrung und/oder erhöhtem Abbau der Blutzellen einhergehen, wie z. B. Blutkrebs (Leukämie) oder Blutarmut sowie bei Enzymdefekten, bei bestimmter Ernährungsweise oder Medikamenteneinnahme.

Symptome

Der akute Gichtanfall äußert sich in pochenden Schmerzen, die insbesondere nachts auftreten. An dem betroffenen Gelenk fallen eine massive Schwellung mit Rötung und Überwärmung sowie starke Berührungsempfindlichkeit auf. Gleichzeitig bestehen oft Allgemeinsymptome wie Fieber, Schüttelfrost und ein allgemeines Krankheitsgefühl. Die Bewegung der betroffenen Gelenke ist eingeschränkt. Betroffen sind vor allem das Daumengrundgelenk (sog. Chiragra) und das Großzehengrundgelenk (sog. Podagra). Aber auch Knie, Handgelenk und weitere Gelenke können befallen sein. Ein akuter Gichtanfall dauert ohne Behandlung 3 - 4 Tage. Mit dem Abklingen der Entzündung schuppt sich die Haut über dem betroffenen Gelenk, das Gelenk nimmt wieder sein normales Aussehen an und der Patient bleibt bis zum nächsten Anfall beschwerdefrei. Während die akuten Gichtanfälle anfangs nur einmal im Jahr auftreten, wird das symptomfreie Intervall mit der Zeit immer kürzer. Die Anfälle werden stärker und ziehen mehrere Gelenke in Mitleidenschaft. Nach mehreren Jahren bestehender Harnsäureerhöhung lagern sich die Harnsäurekristalle auch in anderen Geweben ab und bilden sog. Gichttophi. Sie sind Kennzeichen der chronischen Gicht und finden sich häufig an den Strecksehnen der Finger und Zehen, an der Achillessehne, am Ellenbogen, am Ohrknorpel oder in der Niere. Die Gelenke des chronischen Stadiums weisen Knochen- und Knorpeldefekte auf und sind in ihrer Beweglichkeit stark eingeschränkt.

Diagnostik

Die ersten Symptome einer Gicht sind oft typisch. Charakteristisch kommt es beim ersten Gichtanfall zu einer Entzündung des Großzehengrundgelenks. Die Verdachtsdiagnose Gicht wird durch das Auftreten der Erkrankung bei Familienangehörigen und einer positiven Blutuntersuchung (der Harnsäurewert liegt bei über sieben Milligramm/hundert Milliliter Blut) erhärtet. Ein weiterer Hinweis auf die Diagnose ergibt sich neben der Röntgenuntersuchung, bei der oft starke Knorpel- und Knochenzerstörungen nachgewiesen werden, durch das rasche und vollständige Abklingen der Symptome bei Gabe bestimmter Medikamente. Der Nachweis sog. Uratkristalle in der Gelenkflüssigkeit des betroffenen entzündeten Gelenks sichert die Diagnose. Auch die im Spätstadium auftretenden Gichttophi sind typisch für diese Erkrankung.

Auswirkungen

Unbehandelt nehmen mit Dauer der Erkrankung die Anzahl der Anfälle zu, die symptomfreien Intervalle werden immer kürzer und die Gicht breitet sich auf weitere Gelenke aus. Gelenkzerstörungen mit massiver Einschränkung der Beweglichkeit sind die Folge. Entscheidend für die Prognose ist der Befall der Nieren. Durch die Ablagerung von Harnsäurekristallen kann es hier zu Funktionsstörungen bis hin zum Nierenversagen kommen.

Therapie

An erster Stelle steht die diätische Dauerbehandlung mit Verzicht auf Alkohol, Fisch, Fleisch und Innereien sowie bestimmten Gemüsesorten. Diese ist bei Harnsäure-Ausgangswerten von 8 - 9 Milligramm/hundert Milliliter Blut in aller Regel ausreichend. Ein Harnsäurespiegel von unter fünf Milligramm/hundert Milliliter Blut wird angestrebt. Sind diätische Maßnahmen nicht ausreichend, muss der Harnsäurespiegel im Blut medikamentös auf normale Werte abgesenkt werden. Dies gelingt in der Regel mit einem sog. Urikostatikum (Allopurinol), welches die Harnsäurebildung hemmt. An Bedeutung verloren hat die Gabe sog. Urikosurika (Probenecid), welche die Harnsäureausscheidung fördern. Hier ist zur Vermeidung der Bildung von Harnsteinen auf eine ausreichende Trinkmenge zu achten. In bestimmten Fällen kann eine Kombination beider Substanzen erfolgversprechend sein. Im akuten Gichtanfall sollte das betroffene Gelenk ruhig gehalten werden, und dem Patienten wird empfohlen, viel Flüssigkeit zu sich nehmen, um Harnsäure mit dem Urin auszuschwemmen. Medikamentös wird die Entzündung mit Colchizin oder Indometacin zur Abheilung gebracht. Sollten diese Medikamente nicht ausreichen, können Kortisonpräparate verabreicht werden.

Prophylaxe

Eine genetische Veranlagung zieht nicht unmittelbar eine Erkrankung nach sich. Vor allem eine gesunde Ernährung und das Ausschalten von Risikofaktoren wie mangelnde Bewegung und übermäßiger Alkoholkonsum können einem Gichtanfall vorbeugen. Die Meidung der oben erwähnten Nahrungsmittel und reichlich Flüssigkeitszufuhr vermindern auch bei Gichtpatienten das Risiko eines erneuten Anfalls. Wird der Therapieplan lebenslang eingehalten, ist die Gicht fast immer beherrschbar.

Bemerkungen

Beratungs- und zusätzliche Informationsangebote finden Sie unter: http://www.rheuma-liga.de oder http://www.ernaehrung.de/tipps/gicht/. Literatur: Die Innere Medizin, Schattauer, 2007; Innere Medizin, Herold, 2009; Reihe Orthopädie, 5. Auflage, Thieme Verlag, 2005; Roche Lexikon Medizin, 5. Auflage, Urban & Schwarzenberg 2003. ab; aktualisiert: 12/2009

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