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Haarausfall, Alopezie
Definition
Als Alopezie wird der Zustand der Kahlheit infolge vermehrten Haarausfalls bezeichnet. Dabei unterscheidet man angeborene von erworbenen Alopezien sowie nach Form herdförmige (zirkumskripte) von totalen und diffusen Alopezien. Ebenfalls wird zwischen vernarbender und nicht vernarbender Alopezie unterschieden.
Ursachen
Die Ursachen für Haarausfall sind sehr vielfältig. Nicht zu behandelnde Ursachen sind die angeborene Minderbehaarung und einige vernarbende Prozesse, die durch Zerstörung der Kopfhaut entstehen. Diese Kopfhautatrophie kann durch Verletzungen, Verbrennungen, Verätzungen und nach schweren Infektionen entstehen oder unklarer Genese sein. Giftstoffe, medikamentöse Behandlungen, Strahlen, chronische Erkrankungen bzw. Infektionen und viele Hauterkrankungen können ebenfalls zu Haarausfall führen. Zudem können auch eine Schilddrüsenüberfunktion, Stress und die Einnahme von bestimmten Medikamenten zu den beschriebenen Symptomen führen. Die sogenannte Alopecia areata (Pelade) beruht wahrscheinlich auf einer Reaktion des Immunsystems. Der männliche Haarausfall oder androgenetische Haarausfall macht einen hohen Anteil aller männlichen Alopezien aus. Dieser Haarausfall wird durch Veranlagung, das Alter und eine erhöhte Empfindlichkeit der Kopfhaarwurzeln auf männliche Sexualhormone ausgelöst. Entgegen der Volksmeinung kommt diese Form des Haarausfalls auch bei Frauen vor. Ebenfalls bei Frauen können Hormongaben wie die Pille oder Schwankungen der Hormone durch Schwangerschaft ursächlich sein.
Symptome
Es werden unterschiedliche Formen von Haarausfall beschrieben. Der männliche Typ kommt fast nur bei erwachsenen Männern vor, selten bei Kindern und Frauen, da er an die Geschlechtshormone gebunden ist. Im Stadium 1 bilden sich sogenannte Geheimratsecken im Stirnbereich. Im Stadium 2 bildet sich eine kahle Stelle in Form einer Tonsur am Hinterkopf. Während des 3. Stadiums kommt es zum Verschmelzen dieser zwei Bereiche bis zum Stadium 4, wo nur noch seitlich und hinten ein breites hufeisenförmiges Haarband um den Kopf besteht. Gelegentlich entwickelt sich eine Vollglatze. Davon wird die weibliche Form des Haarausfalls unterschieden. Hier ist der Haarausfall nicht so ausgeprägt. Meist dünnen die Haare nur aus. Nach schweren Infektionen mit hohem Fieber kann der Haarausfall als Vergiftungsreaktion des Körpers entstehen. Selten passiert dies nach einer Schwangerschaft. Verschiedene Medikamente, Giftstoffe (Zytostatika, Thallium etc.) sowie Vitamin A können bei Überdosierung zu Haarausfall führen. All diese Formen lassen nach einigen Monaten einen erneuten Haarwuchs zu. Es ist auch plötzlicher Haarausfall in einem fest umgrenzten Bezirk möglich, der aber nach einigen Monaten unter Behandlung wieder verschwindet. Sehr selten kommt es zu einem generalisierten Haarausfall, der je nach Ursache nicht zurückgeht.
Diagnostik
Bei der Diagnose des Haarausfalls kommt der Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) eine entscheidende Bedeutung zu. Diese gibt Aufschluss über die Beschwerden, eine eventuell verursachende Medikamenteneinnahme, bestehende internistische Erkrankungen, Zyklusunregelmäßigkeiten und zurückliegende Narkosen. Zur Abschätzung des Veranlagungsrisikos erhebt der Arzt die Familienanamnese, die Informationen über Glatzenbildung in der Familie hergibt. Eine anschließende klinische Untersuchung der Kopfhaut gibt erste Hinweise auf die vorliegende Ursache. Zur Abklärung der Ursache kann eine Blutuntersuchung vorgenommen werden, die z.B. ein internistisches Leiden nachweisen kann. Die genaue Ursache für Haarausfall lässt sich oft nur durch eine Haarfollikelbiopsie oder einem Trichogramm (lichtmikroskopische Untersuchung epilierter Haare) ermitteln.
Auswirkungen
Die Auswirkungen richten sich nach dem Typ des Haarausfalls und nach der Grunderkrankung.
Therapie
Die Therapie des Haarausfalls ist genauso vielfältig wie die Ursachen. Ein durch Medikamente oder Giftstoffe verursachter Haarausfall wird durch Ausschalten der verantwortlichen Noxe behandelt. Die Haare wachsen danach meist wieder nach. Beim androgenetischen Haarausfall, der durch Veranlagung, Alter und Sexualhormonempfindlichkeit ausgelöst wird, werden die Substanzen Minoxidil und Finasterid seit einiger Zeit eingesetzt, die den Haarausfall zum Stillstand bringen und so das Fortschreiten der Erkrankung verzögern können. Die Behandlung ist aber nicht in jedem Fall eine Kassenleistung und auch nicht für jeden Betroffenen sinnvoll. Ersatztherapien bestehen aus Perücke oder operativer Haartransplantation. Die Therapie einer Alopezie, die durch chronische Erkrankungen ausgelöst wird, ist schwierig bis unmöglich. Es werden Polyvitaminpräparate und Vitamin D versucht. Bei entzündlichem Haarausfall ist eine Therapie mit sogenannten Steroiden möglich, die entzündungshemmend wirken. Auch eine Therapie mit PUVA (Bestrahlung mit UVA nach Vorbehandlung mit einer Substanz, die die Lichtsensibilität erhöht) ist möglich. Bei traumatischem und postinfektiösen (Haarbalgsentzündung) Haarausfall wachsen die Haare nach. Bei vernarbenden Prozessen der Kopfhaut mit Haarausfall ist keine Therapie möglich.
Prophylaxe
Gegen Haarausfall gibt es keine Prophylaxe. Bei durch Medikamente oder Giftstoffe induziertem Haarausfall ist die Prognose sehr gut. Zur kosmetischen Korrektur bleibt aber oft nur die Perücke oder die operative Haartransplantation.
Bemerkungen
Weitere Informationen finden Sie unter: http://www.alopezie.de Literatur: Checkliste Dermatologie, Thieme (2004); Dermatologie u. Venerologie, Springer (2009); Klinikleitfaden Dermatologie, U&F (2003); Taschenatlas Dermatologie, Thieme (2006). ab; aktualisiert: 10/2009
Regionen
- Haut / Hautanhangsgebilde / Weichteile
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