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Bauchspeicheldrüsenentzündung, akute; Entzündung der Bauchspeicheldrüse, akute Pankreatitis, Pancreatitis acuta.

Definition

Bei der akuten Pankreatitis handelt es sich um eine schnell und heftig verlaufende Entzündung der Bauchspeicheldrüse mit Selbstandauung (das Gewebe wird angegriffen) des Organs.

Ursachen

45% der akuten Pankreatitiden entstehen durch Gallenwegserkrankungen, etwa 35% durch chronischen Alkoholismus und 2% haben eine medikamentöse Ursache. Selten entsteht eine Bauchspeicheldrüsenentzündung durch ein stumpfes Bauchtrauma. Weitere Ursachen sind bakterielle oder virale Infektionen. In 10 - 20% der Fälle gibt es keine Ursache für die Erkrankung, wobei man dann von einer idiopathischen Pankreatitis spricht.

Symptome

Symptome der akuten Pankreatitis sind plötzliche und ohne Vorwarnung auftretende gürtelförmige Schmerzen im Oberbauch, die bis in den Rücken ausstrahlen können. Diese halten mit hoher Intensität bis zu einigen Tagen an. Die Patienten nehmen im Bett eine embryonale Stellung ein (also die Beine angezogen), da dies zu einer Schmerzentlastung führt. Der Bauch ist druckschmerzhaft, aber weich (Gummibauch). Übelkeit, Erbrechen, Blähbauch, Bauchwassersucht (Aszites), Darmlähmung und Fieber sind häufige Begleitsymptome. Bei schweren Verläufen kommt es zu starkem Absinken des Blutdruckes und einer sog.Schocksymptomatik. Die Beschwerden können auch mit einem Herzinfarkt verwechselt werden. Selten entstehen bläuliche Flecken am Nabel (Cullen Zeichen) oder im Flankenbereich (Grey Turner Zeichen). Bei Verschluss der Papilla Vateri (gemeinsame Einmündungstelle des Gallen- und Bauchspeicheldrüsenganges in den Zwölffingerdarm) kann ein Ikterus mit Gelbfärbung der Haut, Schleimhaut und Skleren entstehen. Ebenso tritt eine Entfärbung des Fäces und Braunfärbung des Urins auf.

Diagnostik

Die Diagnose erfolgt durch Bestimmung Pankreas-spezifischer Werte im Blut (die Enzyme Lipase und Amylase, wobei die Lipase der spezifischere Parameter ist), Ultraschall-Untersuchung, Computertomographie (Röntgenuntersuchung zur Darstellung von Weichteilstrukturen) und evtl. endoskopische (Endoskop = flexible Optik mit Lichtquelle zur Untersuchung von Organen) Untersuchung (endoskopisch retrograde Pankreatikographie, kurz ERP). Entstand die Pankreatitis durch Gallensteine können diese durch die Endoskopie direkt entfernt werden. Bei einer Verlegung der Gallenwege im Zusammenhang mit Gallensteinen steigen auch die leberspezifischen, den Gallestau anzeigenden Enzyme Gamma-GT, Alkalische Phosphatase und LAP sowie das Bilirubin an.

Auswirkungen

Bei schwerer Pankreatitis mit Blutung und Gewebetod ist die Entwicklung eines Schocks mit Herz-Kreislauf-Versagen, Beeinträchtigung der Lungenfunktion sowie akutem Nieren- und Leberversagen (Multiorganversagen) möglich. Eine gute Prognose besteht für eine lithogene, d. h. durch Gallensteinleiden verursachte Pankreatitis, wenn das Gallensteinleiden behoben wird. Bei der so genannten hämorrhagisch-nekrotisierenden Pankreatitis, d. h. einer schweren Entzündung mit Blutung und Gewebstod, liegt die Sterblichkeitsrate je nach Schweregrad bei 15 - 50%.

Therapie

Die Behandlung muss intensivmedizinisch im Krankenhaus erfolgen. Basis der Therapie ist die so genannte konservative Behandlung. Sie besteht aus absoluter Nahrungskarenz (das Organ wird dadurch ruhiggestellt), anlegen einer Magensonde (mit ihr wird der Magensaft abgesaugt), intravenöser Flüssigkeits- und Kalorienzufuhr, Schmerzmedikation und langsamem Kostaufbau (Nahrungsaufnahme) nach Normalisierung der Laborwerte. Bei bestimmten Komplikationen kann eine Operation erforderlich werden; so z. B. wenn Zysten (mit Flüssigkeit ausgefüllte Hohlräume im Gewebe) oder Nekrosen vorliegen.

Prophylaxe

Da die Pankreatitis oft durch Gallensteine verursacht wird, ist eine operative Entfernung der Gallenblase zu empfehlen, falls es aufgrund bekannter Gallensteine zu Beschwerden kommt. Damit sinkt das Risiko, neue Gallensteine zu bilden und an einer Pankreatitis zu erkranken. Nicht nur die Pankreatitis, sondern auch eine Vielzahl anderer Erkrankungen lassen sich vermeiden, wenn man auf den übermäßigen bzw. regelmäßigen Alkoholkonsum verzichtet.

Bemerkungen

Die Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) ist eine insgesamt eher seltene, aber durchaus bedrohliche Erkrankung, die je nach Schweregrad in etwa 1 - 15% der Fälle einen tödlichen Verlauf hat. Die Bauchspeicheldrüse liegt im Oberbauch an der hinteren Bauchwand und produziert Verdauungssäfte und Hormone, vor allem das lebenswichtige Insulin. Die häufigsten Ursachen für eine Entzündung sind Alkoholmissbrauch und Gallensteine. Die Entzündung kann jedoch auch bakteriell oder viral bedingt sein. Man unterscheidet die akute und die chronische Pankreatitis. Die akute Pankreatitis kann in 3 Schweregrade eingeteilt werden: Die ödematöse, leichte Form, die nekrotisierende (mit Gewebsuntergang) mit Teilnekrose und mit Totalnekrose. Gefährlich ist die Bauchspeicheldrüsenentzündung, weil Verdauungssäfte frei werden, die sehr aggressiv das umgebende Gewebe schädigen und dadurch Komplikationen auslösen können. Literatur: Chirurgie, 6. Auflage, Elsevier Verlag 2008; Checkliste Innere Medizin, 5. Auflage, Thieme Verlag 2006; Innere Medizin, Urban & Fischer 2003; Herold Innere Medizin 2009. ib;ml; aktualisiert: 01/2010

Regionen

  • Endokrine Organe / Hormone / Stoffwechsel
  • Verdauungsorgane

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