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Akute Cholezystitis, akute Entzündung der Gallenblase.
Definition
Unter einer akuten Cholezystitis versteht man die plötzliche Entzündung der Gallenblase. Die Gallenblase liegt unterhalb der Leber und misst ca. 12 cm in der Länge und 4 cm in der Breite; sie hat die Form einer Birne. Die Leber produziert Gallenflüssigkeit, die aus der Leber über den Lebergallengang in die Gallenblase fließt, in der sie durch Wasserentzug eingedickt und gespeichert wird. Über ihren Ausführungsgang, den Gallenblasengang, erfolgt die reflektorische Abgabe der Galle in den Hauptgallengang, der in den Zwölffingerdarm (Duodenum) mündet. So erfolgt nach einer fettreichen Mahlzeit die Abgabe des Gallenblaseninhalts in den Verdauungstrakt, indem die Gallenblase sich reflektorisch zusammenzieht. Die Gallenflüssigkeit erleichtert schließlich im Magen-Darm-Trakt die Verdauung fettreicher Mahlzeiten.
Ursachen
Eine akute Gallenblasenentzündung entsteht meist aufgrund eines Gallenstaus. In der Regel behindern Gallensteine den Abfluss der Galle. Folglich kann es zu einer Minderdurchblutung und steinbedingter Druckverletzung kommen. Dies kann zu einer Entzündung führen, die sich oft zusätzlich mit Bakterien infiziert. Die Entzündung entsteht in seltenen Fällen aufgrund eines durch Gallenblasenwandpolypen (gutartige Geschwülste der Schleimhaut) oder sehr dickflüssige Galle ausgelösten Gallenstaus. Weitere seltene Ursachen sind Bakterien, Gallenblasenverletzungen, und eine langfristige parenterale (die Magen-Darm umgehende, z. B. intravenöse) Ernährung mit folgendem Gallenblasenstau. Über die Gallenflüssigkeit wird Bilirubin, das Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin, ausgeschieden. Bei einer Abflussbehinderung der Gallenflüssigkeit reichert sich Bilirubin unter anderem in der Haut an und führt zu einer Gelbfärbung (Ikterus, sog. Gelbsucht). Es gibt Menschen, die häufiger von einer Gallenblasenentzündung betroffen sind, vor allem diejenigen, auf die die Beschreibung der "5 F´s" passt: female (weiblich), fertile (fruchtbar, bedeutet meist mehr als ein Kind), fat (dick), fair (heller Haut- und Haartyp) und forty (um das 40. Lebensjahr).
Symptome
Anfänglich kann ein krampfhafter Schmerz im rechten Oberbauch mit Ausstrahlung in das rechte Schulterblatt ein erster Hinweis für diese Erkrankung sein. Anschließend entwickelt sich ein dumpfer Dauerschmerz mit zunehmender Stärke. Bei entzündlicher Infiltration des Bauchfells besteht eine Abwehrspannung der Bauchmuskulatur. In einigen Fällen ist die schmerzhaft geschwollene Gallenblase zu ertasten. Die Patienten haben Fieber und bei der Blutuntersuchung im Labor fallen typische Entzündungszeichen (Vermehrung der weißen Blutkörperchen, Erhöhung der Blutsenkungsgeschwindigkeit) auf. Bei Verschluss der Gallenwege mit Stau der Gallenflüssigkeit kann ein Ikterus (Gelbfärbung der Haut und des Augenweiß) und entfärbter Stuhl die Folge sein.
Diagnostik
Am Anfang der Diagnostik steht das umfassende Anamnesegespräch, welches sich mit der genauen Symptomatik, vorhandenen Grunderkrankungen und Risikofaktoren beschäftigt. Im Anschluss daran wird der Patient körperlich untersucht. Dabei fallen Druckschmerz am rechten Oberbauch, Abwehrspannung und - im Fall eines ausgebildeten Ikterus - die gelbliche Hautfarbe auf. Die Laboruntersuchung zeigt die typischen Entzündungszeichen. Des Weiteren ist die Blutsenkungsgeschwindigkeit (auch ein Entzündungszeichen) erhöht. Der Gallenstau kann anhand einer Erhöhung des Bilirubins (Farbstoff und Abbauprodukt des Blutes) im Blut nachgewiesen werden. Ebenfalls zur Basisdiagnostik zählt die Ultraschalluntersuchung des Oberbauches. Man kann Gallensteine, eine Verdickung der mehrschichtigen Gallenblasenwand und eine vergrößerte Gallenblase erkennen. In der Röntgenaufnahme des Oberbauchs sieht man Gallensteine, wenn sie verkalkt sind. Die Computertomografie (CT, Schichtröntgen) kann zur Absicherung einer unsicheren Diagnose hinzugezogen werden. In speziellen Fragestellungen wird die hepatobiliäre Funktionsszintigrafie angewendet. Mit dieser Untersuchung kann man einen Gallenblasenverschluss nachweisen.
Auswirkungen
Zu den Komplikationen einer Cholezystitis zählt vor allem der entzündliche Durchbruch des Organs (Gallenblasenperforation) in die freie Bauchhöhle. Sie führt zu einem Abszess im Bereich der Gallenblase oder zu einer Bauchfellentzündung (Peritonitis). Diese Komplikationen stellen lebensbedrohliche Zustände mit einer Todesfolge von 15 - 25% dar. Durch einen Durchbruch der Gallenblase kann sich auch eine Verbindung zu anderen Organen, wie dem Darm oder der Leber, entwickeln. Diese krankhaften Organverbindungen nennt man Fisteln. In seltenen Fällen gelangt ein Gallenstein in den Darm und führt dort zu einem Passagestop. In diesem Fall staut sich der Darminhalt und es entwickelt sich ein Gallensteinileus (Darmverschluss durch einen Gallenstein), der ebenfalls eine sehr ernst zu nehmende Komplikation darstellt und zumeist operativ behoben werden muss.
Therapie
Zu Beginn der Therapie wird antibiotisch behandelt, der Schmerz bekämpft und Nahrungskarenz (Verzicht auf Nahrungsaufnahme) angeordnet. Als Antibiotika werden meistens Cephalosporine und Breitbandspektrumpenicilline verwendet. Die akute Cholezystitis stellt eine Indikation für die operative Entfernung der Gallenblase dar. Dabei gibt es zwei mögliche Zeitpunkte der Therapie. Die Frühoperation wird nach Abklingen der ersten Symptome innerhalb von 48 Stunden nach Krankheitsbeginn durchgeführt. Die Spätoperation kann durchaus einige Wochen nach der letzten Kolik durchgeführt werden. Die Operation kann laparoskopisch oder konventionell durchgeführt werden. Bei der konventionellen Behandlung wird die Gallenblase durch einen Bauchschnitt und nach Lösung von benachbarten Strukturen entfernt und der Bauchraum durch den Operateur begutachtet und gespült, um eventuell ausgetretene Gallenflüssigkeit aus dem Bauchraum zu entfernen. Auch bei der Operation spielt die Antibiotikagabe eine enorm wichtige Rolle. Bei dem laparoskopischen Verfahren (Bauchspiegelung) reichen dem Operateur vier kleine Schnitte, durch die eine Kamera und Instrumente hindurch geführt werden. Durch die Kamera sieht der Operateur sein Operationsgebiet und kann so die Gallenblase entfernen. Diese Technik ist für den Patienten sehr schonend und ist das heutige Standardverfahren. Statistische Daten belegen, dass der Gallenblasenentfernung in etwa 90% der Fälle Steine zugrunde liegen und nur in etwa 5% eine akute Gallenblasenentzündung die Ursache darstellt.
Prophylaxe
Von besonderer Bedeutung ist die Ernährungsumstellung, da diese Maßnahme die Gallensteinbildung minimiert. So sollte cholesterinbewusst und ballaststoffreich gegessen werden; das heißt an Stelle tierischer Fette sollen pflanzliche Fette verzehrt werden (Verzicht auf Fleisch, Butter, Eier; Bevorzugung von Gemüse, Obst, Reis). Statistischen Erhebungen zufolge haben Vegetarier viel seltener ein Gallensteinleiden. Dazu muss man allerdings auch wissen, dass nur 25% der Steinträger tatsächlich Beschwerden haben. Sind Steine durch Zufall bei einer Untersuchung gefunden worden und der Patient ist beschwerdefrei, muss er nicht therapiert werden. Weiterhin ist die tägliche Einnahme des Frühstücks ratsam; ferner sollte man über den ganzen Tag verteilt mehrere kleine Mahlzeiten zu sich nehmen. Übergewichtige sollten ihr Gewicht normalisieren, aber dabei darauf achten, dass sie keine radikalen Fastenkuren oder Diäten durchmachen, da sonst durch eine folglich verminderte Gallenblasenentleerung die Gallensteinbildung gefördert wird. Ein erhöhter Zuckerkonsum muss gemieden werden. Alkohol sollte in geringen Maßen getrunken werden; das heißt Männer dürfen am Tag nicht mehr als 30 Gramm und Frauen maximal 25 Gramm reinen Alkohol trinken. Alkohol in geringen Mengen kann die Steinbildung durch eine Senkung des schädlichen Cholesterins erschweren. Übersteigt allerdings die tägliche Alkoholzufuhr die oben genannten Grenzwerte, so ist mit einer erhöhten Gefahr der Gallensteinbildung zu rechnen.
Bemerkungen
Frauen sind im Verhältnis 3:1 häufiger betroffen! Literatur: Innere Medizin, Herold 2009; Checkliste Innere Medizin, Thieme 2003; Chirurgie, Enke 2003; Innere Medizin, Urban & Fischer 2003; Chirurgie, Springer 2006; Duale Reihe Innere Medizin, Thieme 2005. ib; aktualisiert 01/2010
Regionen
- Verdauungsorgane
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