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Infektion durch Herpesviren, nicht näher bezeichnet. Infektion durch Herpes-simplex-Virus o. n. A.
Definition
Das Herpes-simplex-Virus (HSV) ist ein Krankheitserreger, der die Haut, die Schleimhaut, das zentrale Nervensystem (Gehirn, Rückenmark) und die Hornhaut des Auges befallen kann. Man unterscheidet zwei Arten des Herpes-simplex-Virus: Typ I, der häufig im Säuglings- und Kindesalter auftritt, und Typ II, der meist bei Erwachsenen, Jugendlichen und Neugeborenen zu finden ist. HSV Typ I ist der Erreger des Herpes labialis (Lippen-Herpes). Es kann zu Infektionen der Haut und Schleimhaut im Gesicht, der Lippe, des Rachenbereichs und des Auges führen. HSV Typ II ist der Erreger des Herpes genitalis (Genital-Herpes) und hauptsächlicher Verursacher des Herpes neonatorum (Neugeborenen-Herpes). Es führt zu Infektionen im Genitalbereich. Neugeborene Kinder können während der Geburt (im Geburtskanal) von der Mutter infiziert werden.
Ursachen
Erreger der Krankheit ist das Herpes-simplex-Virus (HSV), das zur Familie der Herpesviren gehört. Diese Viren lösen bei Menschen unterschiedliche Infektionen aus. Es gibt zwei Stämme: HSV Typ I, das auf Haut und Schleimhaut auftritt, und HSV Typ II, das sich vornehmlich im Genitalbereich befindet. HSV I ist weltweit verbreitet und wird durch engen Kontakt bzw. durch Tröpfchen- und Schmierinfektion übertragen. Die Erstinfektion findet häufig im Säuglings- und Kindesalter durch die Eltern, das Pflegepersonal im Krankenhaus und durch andere Kontaktpersonen statt. Haupteintrittspforten des Virus sind Zellen der verletzten Haut und die Schleimhaut im Mund-Lippenbereich. Die meisten betroffenen Kinder werden während der ersten sechs Lebensjahre infiziert. Die Erstinfektion führt zur Bildung von spezifischen Antikörpern im Blut. Etwa 75 - 90% der Bevölkerung besitzt Antikörper gegen Herpesviren. Dagegen wird HSV Typ II überwiegend durch sexuellen Kontakt bzw. Schmierinfektion übertragen. Weiterhin ist eine Übertragung von der Mutter auf das Neugeborene zum Zeitpunkt der Entbindung möglich. Zumeist tritt eine Erstinfektion mit HSV I schon frühzeitig auf. Infektionen durch Typ II finden im Allgemeinen erst nach der Aufnahme sexueller Beziehungen statt.
Symptome
Die Inkubationszeit beträgt im Rahmen einer Erstinfektion etwa eine Woche. Bei 10% der Erstinfektionen kommt es zu klinischen Erscheinungen, wie etwa dem Auftreten kleiner Bläschen auf der Schleimhaut, die rasch zu Krustenbildung neigen, allgemeinem Krankheitsgefühl, Fieber ("Fieberbläschen"), Schluckbeschwerden und Lymphknotenschwellungen. V. a. im Kindesalter kann sich im Rahmen einer so genannten Stomatitis aphthosa eine Entzündung im Mund- und Rachenraum ausbilden, die mit einer schmerzhaften Bläschenbildung und Lymphknotenschwellungen einhergeht. In der Regel verschwinden die klinischen Symptome spontan nach zwei, spätestens drei Wochen. Eine richtige "Heilung" ist nicht möglich, da die Viren, je nach Reinfektion oder Immunabwehr, immer wieder neu auftreten können. Sie verbleiben lebenslang in einer bestimmten Art von Nervenzellen, sog. Ganglienzellen. Der Herpes genitalis (HSV Typ II) äußert sich bei Frauen in einer schmerzhaften Entzündung der Scheidenregion, die mit Fieber, geschwollenen Lymphknoten und schmerzhaftem, häufigem Harndrang einhergeht. Beim Mann bilden sich die Bläschen vornehmlich an der Eichel des Penis, je nach Sexualkontakt auch in der Region um den After. Eine HSV Infektion ist in der Regel harmlos, jedoch kann es im Rahmen eines Neugeborenen-Herpes schwerwiegende Folgen für den Säugling, besonders für Frühgeborene und unreife Säuglinge, haben. Sind die inneren Organe oder das zentrale Nervensystem des Säuglings betroffen, liegt die Sterblichkeitsrate bis zur 7. Lebenswoche bei 65%! Im Rahmen ursächlicher Faktoren kann sich im weiteren Verlauf eine Reaktivierung der Herpesviren ergeben. Etwa ein Drittel der gesamten Bevölkerung Deutschlands leidet an immer wieder auftretenden Herpes-labialis-Infektionen, die im Volksmund auch "Fieberbläschen" genannt werden.
Diagnostik
Die Diagnose lässt sich anhand der Beschwerdesymptomatik relativ rasch stellen. Im Anamnesegespräch wird das Augenmerk primär auf die akuten Beschwerden und eventuelle Grunderkrankungen gelegt. Darunter fallen auch schon einmal aufgetretene Beschwerden, die der Symptomatik ähneln. Im Anschluss an das Arzt-Patienten-Gespräch erfolgt die genaue körperliche Untersuchung. Auffällig sind hierbei meist die geschwollenen lokalen Lymphknoten und die schmerzhaften Bläschen, die einen glasigen, wässrigen Inhalt haben. In einzelnen Fällen sollte bei Verdacht auf eine Herpesinfektion der Nachweis der Erreger erfolgen. Die Erreger, die Herpes-Viren, werden aus dem Bläscheninhalt gewonnen. So können entweder die Herpes-Antigene (das Immunsystem aktivierende Virusbestandteile) oder das Virus-Erbgut (DNA) nachgewiesen werden. Im Rahmen einer Primärinfektion kann es auch nützlich sein, spezifische Antikörper (Abwehreiweiße) gegen die ursächlichen Viren darzustellen. Aufgrund der hohen Durchseuchung (ungefähr ein Drittel der Bevölkerung weist diese Antikörper auf), verzichtet man bei Verdacht auf eine Sekundärinfektion auf diese Untersuchung. Eine allgemeine Kontrolle der Blutwerte mit Überprüfung verschiedener Organsysteme ist oftmals eine sinnvolle diagnostische Abrundung. Ist eine Symptomatik des Zentralnervensystems aufgetreten, sollten abklärende diagnostische Maßnahmen vorgenommen werden. Hierzu zählen u. a. die Aufzeichnung eines EEG (= Elektroenzephalogramm, Ableitung der elektrischen Hirnströme) und ein Schichtröntgen (CT) bzw. die Anfertigung eines Kernspintomogramms (MRT, NMR) des Schädels.
Auswirkungen
Die Frequenz und die Intensität der Infektion ist individuell sehr unterschiedlich. Neben den genannten Symptomen können Fieber und Abgeschlagenheit das Allgemeinbefinden beeinträchtigen. In manchen Fällen erfolgt ein Übergreifen der Infektion auf die Augen; hierbei kommt es zu einer Entzündung der Binde- und Hornhaut. Eher selten ist das innere Auge mitbetroffen. Eine weitere mögliche Komplikation stellt das Herpes-Ekzem dar, bei dem die Infektion an einer bereits vorgeschädigten Hautstelle stattfindet. Besonders gefährdet sind Säuglinge und Kleinkinder mit Neurodermitis. Die Erkrankung kann mit hohem Fieber einhergehen und unter Umständen lebensbedrohlich verlaufen. Auch eine Herpes-Enzephalitis ist eine gefürchtete Komplikation der Herpes-Infektion. Dies ist eine Entzündung des Gehirns, die unbehandelt zum Tode führt. Eine ebenfalls schlechte Prognose hat die Übertragung der Viren auf das Neugeborene.
Therapie
Bei Verdacht auf eine Herpesinfektion kann man lokal mit einer antiviralen Salbe behandeln. Hierzu eignet sich der Wirkstoff Aciclovir. Sind zusätzlich die Augen betroffen, wird normalerweise eine Augensalbe mit dem gleichen Wirkstoff verwendet. Bei immungeschwächten Patienten oder einer komplizierteren Form der Infektion sollte jedoch systemisch behandelt werden. Hierzu kann ebenfalls Aciclovir in einer Dosierung von etwa 5 - 10 mg/kg Körpergewicht für mindestens fünf Tage verabreicht werden. Alternativ steht auch der Wirkstoff Ganciclovir zur Verfügung. Zusätzliche allgemeine Maßnahmen, wie die Anwendung von Kälte durch Auflegen von Eis, vermindern die Schwellung. Paraffinöl kann das Aufbrechen der Verletzungen, das Bluten und die Selbstansteckung durch Fingerkontakt unterbinden. Das Auftreten eines rezidivierenden (wiederkehrenden) Herpes labialis kann in seiner Frequenz gemindert werden, wenn während Sonnenbestrahlung ein Sonnenschutzmittel mit dem Wirkstoff Aminobenzoesäure aufgetragen wird. Bei einer primären Stomatitis aphthosa lindert eine örtliche Betäubung (z. B. in Form von Lidocain-Gel) den Schmerz. Natriumbicarbonat-Mundspülungen und Salbeitee reinigen und mindern ebenfalls die Schmerzen. Es muss darauf geachtet werden, dass Kinder während der Erkrankung genug Flüssigkeit bekommen, da sie erfahrungsgemäß während der schmerzhaften Stomatitis Nahrung und Flüssigkeit meiden. Antibiotika werden nur zum Schutz vor oder bei bakteriellen Zusatzinfektionen verordnet. Aciclovir oder Vidarabin sind außerdem angeraten bei Befall des Auges oder bei einer Entzündung der Gehirn-/Rückenmarkshäute (Meningen). Die Gabe erfolgt unter stationärer Behandlung durch Injektion in die Vene. Eventuell kann man hierbei zusätzlich kortisonhaltige Präparate verabreichen.
Prophylaxe
Die Prophylaxe ist schwierig, da die Übertragung meist schon im Kleinkindesalter erfolgt und kaum zu vermeiden ist. Hilfreich ist die weitgehende Vermeidung der oben erwähnten Provokationsfaktoren wie Stress oder UV-Licht (Sonnenbaden). Bei bekannter Infektion mit Herpes genitalis sollte der sexuelle Kontakt vermieden werden. Bei schwangeren Frauen muss unbedingt die Infektion des Neugeborenen verhindert werden - notfalls mittels Kaiserschnitt -, da bei Neugeborenen nicht nur eine Bläschenbildung an der Haut erfolgt, sondern auch schwere Krankheitszeichen wie Fieber, Erbrechen und neurologische Symptome auftreten können. Diese Schädigungen an verschiedenen Organen, die zu Entwicklungsstörungen und neurologischen Komplikationen führen können, sind nicht selten.
Bemerkungen
Oft weisen häufig wiederkehrende Infektionen auf ein geschwächtes Immunsystem hin. Dies sollte gegebenenfalls mit dem Arzt abgeklärt werden. Weitere Informationen zu Herpesinfektionen gibt es auf den Webseiten des Robert Koch-Instituts: http://www.rki.de/. Literatur: Checkliste Innere Medizin, M. Hahn, Thieme, 5. Aufl., 2006; Innere Medizin, Herold, 2009. ib;ml; aktualisiert: 11/2009
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