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Krampfadern der Beine, Varizen der unteren Extremitäten, Varikosis der Beine, Krummadern der Beine.

Definition

Krampfadern - medizinisch Varizen - sind krankhaft erweiterte, meist geschlängelt oder sackartig verlaufende Venen des oberflächlichen Venensystems am Bein. Neben den sichtbaren Anzeichen der Varizen tauchen bei Betroffenen weitere Symptome wie schwere, müde Beine, verbunden mit Schwellungen, Spannungsgefühl und Schmerzen auf. Auf die Entstehung der Varizen haben viele Faktoren einen Einfluss. Eine große Rolle spielt beispielsweise die genetische Veranlagung. Ca. 70% der Betroffenen sind erblich vorbelastet. Hinzu kommen Bewegungsmangel, häufiges Sitzen oder Stehen und eine unausgewogene Ernährung. Auch Rauchen und die Einnahme von Hormonpräparaten begünstigen die Bildung von Varizen. Etwa 20% der Bundesbürger haben mit Krampfaderleiden zu kämpfen, wobei Frauen etwa dreimal häufiger betroffen sind als Männer, und die Häufigkeit mit dem Alter zunimmt. Unterschieden wird zwischen primärer und sekundärer Varikose (Krampfaderleiden): Erstere entwickelt sich im Laufe des Lebens durch die o. g. Einflüsse und zeigt sich in der zunehmenden Erschlaffung der Venenwände durch schlechten Blutfluss und damit verbundenen Stauungen. Die Venenklappen, die normalerweise ein Absacken des Blutes in den Venen verhindern, können nicht mehr richtig schließen (Insuffizienz). Die sekundäre Varikose ist die Folge einer vorangegangenen Thrombose (Gefäßverschluss durch ein Blutgerinnsel).

Ursachen

Der menschliche Körper ist mit einem Venensystem ausgestattet, welches für den Rücktransport des sauerstoffarmen Blutes zum Herzen zuständig ist. Es gibt drei Arten von Venen: Die tiefen, die oberflächlichen sowie die Verbindungsvenen zwischen diesen. So genannte Venenklappen sorgen dafür, dass das bereits in Richtung Herz gepumpte Blut nicht wieder in die Peripherie absackt. Sie sind wie kleine Flügeltüren, die in Strömungsrichtung aufgehen und sich bei einer Pause des Blutflusses schließen. Während des Gehens unterstützt die An- und Entspannung der Beinmuskulatur den Blutfluss in den Venen. Für die primäre Varikose sind eine Vielzahl von begünstigenden Faktoren bekannt. Die wichtigsten sind die erbliche Veranlagung, Bewegungsmangel, Sitz- und Stehberufe, Übergewicht, Rauchen und Hormoneinnahme. Auch die veränderten Druckverhältnisse im Bauchraum bei einer Schwangerschaft begünstigen die Krampfaderentstehung. Die sekundäre Varikosis entsteht nach einer tiefen Bein-/ Beckenvenenthrombose infoge einer Überbelastung des oberflächlichen Venensystems. Stammvarizen finden sich an den Venen der Unter- und Oberschenkelinnenseite (Vena saphena magna) und der Unterschenkelrückseite (Vena saphena parva). Diese Venen werden auch Stammvenen genannt. Nebenastvarizen sind, wie der Name schon vermuten lässt, Krampfadern der Nebenäste der Stammvenen. Schließlich kann es auch in den Verbindungsvenen zu Stauungen und Erschlaffungen der Venenwände kommen. Man spricht von insuffizienten Verbindungsvenen.

Symptome

Betroffene leiden häufig unter müden und schweren Beinen, die zusammen mit Schwellungen und Schmerzen einhergehen. Besonders nach langem Stehen oder am Abend machen sich die Symptome bemerkbar. Gelegentlich tauchen auch abendliche Knöchelödeme, nächtliche Wadenkrämpfe und Juckreiz auf. Die klinischen Zeichen können sich bei Frauen während der Menstruation (Monatsblutung) und der Schwangerschaft verschlechtern.

Diagnostik

Die Diagnostik ist notwendig, um die Art der Krampfadererkrankung zu bestimmen. Es muss beispielsweise geklärt werden, ob die Varizen von medizinischer Bedeutung sind oder nicht, und ob es sich um eine primäre oder sekundäre Varikose handelt. Der Arzt führt mit dem Patienten zu Beginn ein ausführliches Gespräch, in dem die Beschwerden detailliert besprochen werden. Danach findet die erste Untersuchung im Stehen mittels Inspektion und Abtastung der Beine statt. Er führt eventuell Funktionstests der Venenklappen (Trendelenburg-Test, Perthes-Test) durch und entscheidet dann, welche weiteren Diagnoseverfahren einzusetzen sind. Der Arzt kann während der körperlichen Untersuchung verschiedene spezielle Untersuchungstests durchführen, die Hinweise darauf geben, welche Venen betroffen sind. In den allermeisten Fällen wird eine Ultraschall-Dopplersonografie durchgeführt. Mithilfe dieser Untersuchung kann bestimmt werden, ob die Venenklappen noch funktionieren oder ob es zu einem Rückwärtsstrom des Blutes kommt. Auch eine Thrombose kann in den meisten Fällen mit der Duplex-Sonografie diagnostiziert werden. Die Röntgenuntersuchung der Venen (Phlebografie) ist daher nur noch selten erforderlich. Weitere Untersuchungen wie Lichtreflexionsrheografie, Venenverschlussplethysmografie oder Phlebodynamometrie werden nur in Ausnahmefällen benötigt.

Auswirkungen

Nicht nur die kosmetischen Veränderungen stellen ein Problem dar. Bei fortgeschrittener Krampfaderbildung kann es neben Schweregefühl, Schwellungen, Krämpfen und Schmerzen zu gesundheitlichen Komplikationen wie Verhärtungen des Gewebes, Haut- und Venenentzündungen sowie Wassereinlagerungen im Gewebe (Ödeme) kommen. Einrisse größerer Varizen können auch eine Blutung auslösen. Es besteht ein erhöhtes Risiko für eine tiefe Beinvenenthrombose. Diese stellt jedoch ein eigenständiges Krankheitsbild dar, da die Varikosis eine Erkrankung des oberflächlichen, die Thrombose jedoch eine Erkrankung des tiefen Venensystems ist.

Therapie

Generell sollte die "SL"-Regel beachtet werden: "Sitzen und Stehen ist schlecht, lieber Laufen und Liegen." Nachts ist es sinnvoll, die Unterschenkel etwas erhöht zu lagern. Übergewicht sollte vermieden oder gegebenenfalls abgebaut werden. Regelmäßige Bewegungsübungen der Wadenmuskulatur bei hoch gelagerten Beinen, kalte Duschen und Schwimmen in kühlem Wasser (bis 27°C) stärken die Venenwände und verhindern ein schnelles Fortschreiten der Erkrankung. Saunagänge, ausgiebige heiße Bäder, lange Sonnenbäder sowie Thermalbäder und Fangopackungen sollten hingegen vermieden werden. Im leichten bis mittleren Erkrankungsstadium sind Kompressionsstrümpfe ein sinnvolles Behandlungsmittel. Sie erhöhen den Druck auf die Venen und verhindern somit eine weitere Erschlaffung der Venenwände. Leider gibt es noch keine wissenschaftlichen Nachweise über die Erfolge medikamentöser Therapieformen. Als weitere Behandlungsmöglichkeit bietet sich eine Operation an. Die Standardtherapie der primären Varikosis ist bis heute die operative Entfernung der betrofffenen Venenabschnitte unter der Voraussetzung, dass das tiefe Venensystem durchgängig ist. Bei Vorliegen einer tiefen Beinvenenthrombose darf nicht operiert werden.

Prophylaxe

Die beste Vorsorge ist viel Bewegung, z. B. Rad fahren, Spazieren gehen oder Schwimmen. Wer tagsüber lange am Schreibtisch arbeitet oder mehrere Stunden im Flugzeug sitzt, sollte zwischendurch immer wieder aufstehen und ein bisschen umher gehen oder die Fußspitzen abwechselnd zum Körper ziehen und wieder strecken. Weiterhin kann man mit einer ausgewogenen, vor allem ballaststoffreichen Ernährung viel erreichen, da Verstopfung und zu starkes Pressen beim Stuhlgang den Druck auf die Venen erhöht. Auch Wechselduschen wirken sich positiv aus, denn sie stärken die Venenwände, wohingegen Saunagänge und heiße Wannenbäder die Venen zu stark erweitern. Vermeiden sollte man ferner Schuhe mit hohen Absätzen und das Tragen schwerer Lasten.

Bemerkungen

Literatur: Die Innere Medizin, Schölmerich, Schattauer, 10. Auflage (2000); Innere Medizin, Urban & Fischer, 5. Auflage (2003); Innere Medizin, Herold (2006); Chirurgie, Müller, 8. Auflage (2005); Innere Medizin, Thieme, 12. Auflage (2005). ib;ml; aktualisiert: 03/2009

Regionen

  • Gefäße / Herz / Kreislauf

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