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Bindehautentzündung durch spezifische Erreger, Keratoconjunktivitis epidemica, virale Bindehautentzündung, virale Konjunktivitis, Bindehautentzündung durch Gonokokken oder Chlamydien.

Definition

Die Konjunktivitis ist eine Entzündung am Auge. Die Bindehaut überzieht die Innenfläche der Lider, überbrückt den Raum zwischen Lidern und Augapfel und erstreckt sich, die Lederhaut bedeckend, bis zur Hornhaut. Die Bindehaut schützt das Auge vor Fremdkörpern und Infektionen, kann selbst aber durch chemische Substanzen oder allergische Reaktionen gereizt oder durch Bakterien oder Viren infiziert werden. Es werden akute, bis zu drei Wochen andauernde Bindehautentzündungen von länger andauernden, chronischen Entzündungsformen unterschieden.

Ursachen

Die Bindehaut kann sich als allergische Reaktion auf Staub, Schimmelpilze, Tierhaare und Tierhautschuppen oder Pollen entzünden und von Wind, Staub, Rauch, und anderen Luftbestandteilen gereizt werden. Die Bindehautreizung kann ebenfalls durch eine Erkältung oder Masernerkrankung verursacht werden oder als Folge einer UV-Bestrahlung, wie etwa durch Sonnenbaden (Solarien), beim Schweißen oder durch Lichtreflexion von spiegelnden Flächen auftreten. Eine Konjunktivitis kann manchmal Monate oder gar Jahre bestehen. Diese Form der Bindehautentzündung (chronische Konjunktivitis) kann durch eine länger bestehende Auswärts- (Ektropium) oder Einwärtswendung (Entropium) des Augenlids, Störungen der Tränenwege, Überempfindlichkeit gegen chemische Substanzen oder Kontakt mit Reizstoffen verursacht werden. Auch Infektionen mit Adenoviren sowie mit speziellen Bakterien - meist Chlamydien - können eine Ursache darstellen. Ferner gehören die Diphtherie- und Trippererreger (auch Syphillis oder Lues) zu den Auslösern von Bindehautentzündungen.

Symptome

Für alle Patienten stehen zunächst die roten Augen und die verklebten Lider am Morgen im Vordergrund. Aufgrund einer vermehrten Sekretion kommt es zum Verkleben der Lider. Bei der häufig vorkommenden bakteriellen Konjunktivitis ist dieses Sekret meist dicklich weiß oder cremefarben und wird z. B. durch Staphylo-, Strepto- oder Pneumokokken verursacht. Bei der viralen oder allergischen Konjunktivitis ist das Sekret meist klar. Das Augenlid kann anschwellen und intensiv jucken, vor allem bei der allergischen Konjunktivitis. Infolge der Schwellung der Oberfläche verliert die Lidbindehaut die glatte Struktur und die Patienten beklagen ein Fremdkörpergefühl. Die Bindehautentzündung lässt sich meist leicht erkennen, weil sie im allgemeinen mit einer Erkältung oder mit Allergien einhergeht. Manchmal ähnelt sie einer Entzündung der Regenbogenhaut (Iris) oder dem akuten grünen Star (Glaukom) - einer ernsten Augenerkrankung. Der Arzt kann jedoch die verschiedenen Augenerkrankungen abgrenzen. Die Konjunktivitis kann zwar ein Brennen verursachen, ist aber meist wenig schmerzhaft. Eine Bindehautentzündung beeinträchtigt selten das Sehvermögen, es sei denn, das Sekret verschleiert vorübergehend die Hornhaut. Ausnahmen stellen Entzündungen durch Chlamydienbakterien und Adenoviren dar. Typisch für eine Konjunktivitis sind außerdem ein vermehrter Tränenfluss (Epiphora) und ein Lidkrampf (Blepharospasmus). Bei der Bindehautentzündung im Rahmen einer Diphtherie haben die Patienten charakteristische Symptome an den Atemwegen. Bei den viralen Infektionen können die Betroffenen Symptome eines grippalen Infekts zeigen.

Diagnostik

Der Augenarzt kann anhand der Anamnese und der Symptomatik des Patienten bereits die Verdachtsdiagnose stellen. Dann folgt eine genaue Untersuchung der Augen. Das rote Auge ist ein typisches Zeichen einer Bindehautentzündung. Die Rötung entsteht durch die vermehrte Füllung der Bindehautgefäße mit Blut. Die Schwellung der Bindehaut und der Lider ist regelmäßig zu finden. Um die Bindehaut auf der Lidinnenseite einzusehen, werden die Lider umgedreht (ektropioniert). So können auch versteckte Fremdkörper auf der Innenseite der Augenlider gefunden werden. An der Art der Sekrete können die verschiedenen Ursachen unterschieden werden. Während eitrige Sekrete für bakterielle Entzündungen sprechen, verursachen allergische oder virale Bindehautentzündungen eher klare, wässrige Ausflüsse. Zur Beurteilung der Verhältnisse im und am Auge wird eine Untersuchung mit einer Spaltlampe durchgeführt. Um die genaue Ursache der Entzündung herausfinden zu können, wird ein Epithelausstrich gemacht, da je nach Ursache andere Abwehrzellen zu finden sind. Auch sind Bakterien oder Pilze in den Proben nachweisbar. Für eine allergische Entzündung sind pflastersteinartige Vorwölbungen der Bindehaut sehr typisch. Häufig sind die regionalen Lymphknoten vergrößert. Eine Rötung des Auges und mehrere kleine, münzenförmige Entzündungen der Hornhaut stellen typische Untersuchungsbefunde der Konjunktivitis durch Adenoviren (Keratokonjunktivitis epidemica) dar. Hierbei entstehen wie bei der Infektion mit Chlamydien (als Trachom bezeichnet; häufigste Augenerkrankung der Welt!) oft Narben auf der Hornhaut, die Sehstörungen verursachen. Eine Visuskontrolle (Visus = Sehschärfe) sollte vor allem bei Patienten mit chronischer Bindehautreizung erfolgen, um eventuelle Refraktionsfehler (fehlerhafter Brechungswert der Augenlinse) als Ursache auszuschließen.

Auswirkungen

Eine Bindehautentzündung heilt unter Therapie innerhalb einiger Tage folgenlos ab. Sie kann ohne Behandlung jedoch zu einer Schädigung des Auges führen. Dabei können bleibende Schäden entstehen, die Sehstörungen und chronische Augenreizungen zur Folge haben.

Therapie

Die Behandlung der Bindehautentzündung hängt von der jeweiligen Ursache ab. Bei einer bakteriellen Infektion verschreibt der Augenarzt meist unverzüglich antibiotikahaltige Augentropfen (z. B. Gentamicin, Tobramycin, Tetracyclin) oder Salben. Um Augentropfen oder -salben ins Auge zu bringen, sollten die Patienten sich zurückbeugen und nach oben schauen. Verabreicht eine andere Person das Medikament, legt sich der Patient am besten hin. Das Unterlid wird mit dem sauberen Zeigefinger nach unten gezogen, um die Bindehaut freizulegen. In diese Tasche, und nicht etwa direkt auf das Auge, werden die Augentropfen verabreicht. Bei Salben wird ein kleiner Strang in die Bindehauttasche des Unterlids gelegt. Durch anschließendes Blinzeln wird das Medikament im Auge verteilt. Manchmal wird mit einem sterilen Watteträger eine Sekretprobe zur Laboranalyse abgenommen. Eventuell muss das zu Beginn ausgewählte Antibiotikum den Laboratoriumsergebnissen entsprechend gewechselt werden (wirkt ein Antibiotikum besser als ein anderes). Kortisonhaltige Augenmedikamente dürfen meist nicht mit Antibiotika zusammen eingesetzt werden. Ebenso wenig dürfen sie bei einer Herpesinfektion oder dem Verdacht darauf verabreicht werden, weil das die Herpesinfektion massiv verschlimmern kann. Antibiotika sind bei einer allergischen oder viral bedingten Konjunktivitis wirkungslos. Gegen eine allergische Augenentzündung helfen antiallergische Augentropfen mit Kortison oder Cromoglycinsäure; bei einer herpesbedingten Bindehautentzündung kann der Augenarzt ein entsprechendes Virustatikum (z. B. Aciclovir) verschreiben. Zahlreiche Viren können meist nicht spezifisch bekämpft werden, so dass das Auge nur mit künstlichen Tränen und kalten Kompressen behandelt werden kann. Eine erregerbedingte Konjunktivitis ist äußerst ansteckend. Darum muss sich der Betroffene vor und nach den Augenbädern oder nach Anwendung der Augenmedikamente sorgfältig die Hände waschen. Um zu vermeiden, dass sich die Infektion auf das gesunde andere Auge ausbreitet, sollten die Hände das gesunde Auge nicht berühren, nachdem sie Kontakt mit dem kranken Auge hatten. Handtücher und Waschlappen, die mit dem erkrankten Auge in Berührung gekommen sind, sollten separat aufbewahrt werden. Kinder von Müttern, die an Tripper erkrankt sind, sollten stets nach der Geburt eine Prophylaxe mit einer Silbernitratlösung erhalten.

Prophylaxe

Die gesunde Körperabwehr ist normalerweise in der Lage, das Auge bzw. die Bindehaut vor einer Infektion zu schützen. Menschen, die eine vorübergehende Schwächung der Körperabwehr haben, sollten erkrankte Personen unbedingt meiden. Auf prophylaktische Maßnahmen wie Augenspülungen kann das Auge leicht mit einer Entzündung reagieren. Im Sommer können Allergiker allerdings durch die Spülungen mit Kochsalzlösung eine Linderung erzielen. Tragen einer Sonnenbrille kann das Auge zusätzlich vor starkem Lichteinfall schützen. Um eine Infektion eines Neugeborenen zu verhindern, sollten Mütter vor der Geburt auf Geschlechtskrankheiten, wie z. B. Tripper (Gonorrhoe), untersucht werden. Diese so genannte Gonorrhö verursacht auch eine Konjunktivitis beim Kind und kann durch die so genannte Credé-Prophylaxe (Träufeln einer Silbernitrat-Lösung in das Auge des Neugeborenen) vermieden werden.

Bemerkungen

Weiterführende Informationen finden Sie unter: www.augeninfo.de. Literatur: Pschyrembel - Klinisches Wörterbuch, 261. Auflage, 2007; Gerhard K. Lang: Augenheilkunde, Thieme; Grehn, Leydhecker: Augenheilkunde, Springer 2005; M. Sachsenweger, Augenheilkunde, Thieme 2002; Checkliste Dermatologie, Thieme 2004; Dermatologie u. Venerologie, Springer 2003; Klinikleitfaden Dermatologie, U & F 2003; Praxisleitfaden Allgemeinmedizin, U & F 2003; Duale Reihe Augenheilkunde, Thieme, 2003. nj;ml aktualisiert: 08/2009

Regionen

  • Haut / Hautanhangsgebilde / Weichteile
  • Sinnesorgane

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