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Geschlechtskrankheiten, durch Geschlechtsverkehr übertragene Krankheiten, venerische Erkrankungen.

Definition

Als Geschlechtskrankheiten im engeren Sinn werden die weltweit verbreiteten Krankheiten Syphilis (Lues oder auch harter Schanker genannt), Gonorrhoe (Tripper), Ulcus molle (Weicher Schanker) und Infektionen durch das Bakterium Chlamydia trachomatis (Harnröhrenentzündung und Lymphgranuloma inguinale) verstanden. Sie werden durch Bakterien beim Geschlechtsverkehr beziehungsweise durch sexuelle Kontakte übertragen und führen überwiegend zu Veränderungen an Haut und Schleimhaut. Die Gonorrhoe (Tripper) ist weltweit die am häufigsten übertragene Geschlechtskrankheit. Die Dunkelziffer wird sehr hoch eingeschätzt. Als Geschlechtskrankheiten im weiteren Sinn kann man einige Formen der unspezifischen Urogenitalentzündungen verstehen, die durch Trichomonaden, Hefepilze, Chlamydien, Herpesviren und Mykoplasmen ebenfalls beim Geschlechtsverkehr übertragen werden. Daneben rechnet man AIDS, Virushepatitis C und B, die Erkrankungen durch Krätzmilben, Läuse, Humane Papilloma- (HPV) und Herpes-simplex-Viren (HSV Typ 2) auch zu den Geschlechtskrankheiten im weiteren Sinne. Besonders betroffen sind Menschen mit häufig wechselnden Geschlechtspartnern.

Ursachen

Die Ursachen der Geschlechtskrankheiten im engeren Sinn sind Bakterien, welche im Zuge des Geschlechtsverkehrs beziehungsweise der sexuellen Kontakte übertragen werden. Im Fall der Syphilis (Lues) sind es Bakterien mit dem Namen Treponema pallidum, deren einziger Wirt der Mensch ist. Die Übertragung erfolgt durch Schleimhautkontakt im Genitalbereich oder auch während der Schwangerschaft über die Plazenta (Mutterkuchen) auf den Fötus. Bei der Gonorrhöe (Tripper) handelt es sich um eine Infektion mit dem Bakterium Neisseria gonorrhoeae. Dies sind hochinfektiöse, kugelförmige Schleimhautparasiten, die keine Immunität hinterlassen. Auch hierbei erfolgt die Infektion durch Schleimhautkontakt. Neugeborene können sich beim Durchtritt durch den Geburtskanal infizieren. Erreger des Ulcus molle ("weicher Schanker") sind Bakterien mit dem Namen Haemophilus ducreyi. Die Infektion mit Chlamydia-trachomatis-Bakterien vom Typ L1-3 führt zum Krankheitsbild des Lymphgranuloma inguinale. Die beiden letzteren Erkrankungen sind überwiegend in Asien, Afrika und Südamerika endemisch, kommen durch den zunehmenden Tourismus jedoch auch immer häufiger in Europa vor.

Symptome

Die Symptome der Geschlechtskrankheiten hängen vom jeweiligen Erreger ab. Es kommt vor allem zu Symptomen im Genitalbereich, besonders häufig auch zu Beschwerden an der Haut und Schleimhaut. Die Inkubationszeit der Syphilis beträgt etwa 8 - 21 Tage. Man unterscheidet vier Krankheitsstadien: In Stadium I tritt nach zwei bis sechs Wochen nach Infektion am Infektionsort (Genitale, Analgegend, Mund, Finger) ein nicht schmerzhaftes Geschwür mit derbem Randwall (Ulcus durum), wenige Tage danach eine reizlose Schwellung der regionalen Lymphknoten auf. Beides bildet sich nach einiger Zeit unter Narbenbildung spontan zurück. Nach etwa drei bis vier Monaten kommt es in Stadium II durch Streuung der Erreger auf dem Blut- und Lymphweg zu allgemeinem Krankheitsgefühl, einer generalisierten Schwellung der Lymphknoten, einem Hautausschlag (Exantheme; vorsicht: hier besteht eine große Ähnlichkeit mit anderen viralen und bakteriellen Erkrankungen!), akuter eitriger Mandelentzündung, warzenartigen Geschwüren in der Genitalgegend (Condyloma lata), Pigmentveränderungen, Haarausfall und Gelenkschmerzen. Diese Symptome verschwinden ebenso wie die Symptome des Stadiums I auch ohne Behandlung nach etwa drei bis zwölf Wochen. In seltenen Fällen können die Symptome auch in diesem Stadium bis zu zwei Jahren bestehen. Rezidive treten nicht selten in den folgenden Jahren auf. Typisch sind dann Knötchen an Handflächen und Fußsohlen. Beachte: in diesen Stadien ist die Gefahr der Ansteckung sehr hoch! Im dritten Stadium (Latenzstadium) dieser Erkrankung treten keine Beschwerden auf. Entzündliche, derbe Geschwulste kommen heute kaum noch vor. Vom Stadium vier spricht man, wenn sich noch Jahre danach bei Nachlassen der Immunität chronisch-entzündliche Gefäßläsionen an ZNS oder Aorta entwickeln. Die Inkubationszeit der Gonorrhoe beträgt 2 - 14 Tage, dann kommt es beim Mann zu einer Entzündung der Harnröhre mit schmerzhaftem Wasserlassen und einem eitrigen gelblich-grünen Ausfluss und verstärktem Harndrang. Bei der Frau sind die Symptome oft geringer ausgeprägt, wobei es zu einer Entzündung der Harnröhre und des Gebärmutterhalses kommen kann. Nach einer Inkubationszeit von 7 - 28 Tagen zeigt sich beim Lymphgranuloma inguinale am Eintrittsort der Bakterien ein schmerzloses Bläschen mit nachfolgender entzündlicher Schwellung der Leistenlymphknoten. Beim Ulcus molle entsteht nach einer Inkubationszeit von drei bis fünf Tagen an der Eintrittspforte ein Knötchen, das innerhalb von zwei bis drei Tagen zu einem schmerzhaften Geschwür wird. Daneben besteht eine Schwellung der Leistenlymphknoten.

Diagnostik

Bei Symptomen, die sich zunächst im Genitalbereich entwickeln, sollte sofort an eine Geschlechtskrankheit gedacht werden und auch nach zurückliegenden Auslandsaufenthalten gefragt werden. Im Falle der Syphilis gelingt der Erregernachweis aus den Läsionen mit Hilfe der Dunkelfeldmikroskopie. Des Weiteren kann eine serologische Diagnostik herangezogen werden. Dazu wird das Blut des Patienten auf Antikörper oder Antigene der Bakterien untersucht. Im Spätstadium III ist der direkte Erregernachweis nicht mehr möglich. Die Gonorrhoe wird nach Anfertigen von Abstrichen aus dem Harnröhrenbereich durch mikroskopischen oder kulturellen Erregernachweis diagnostiziert. Daneben ist auch ein Bakterien-DNA-Nachweis möglich. Zu berücksichtigen ist hier das Transportmedium. Der Chlamydiennachweis beim Krankheitsbild des Lymphgranuloma inguinale gelingt durch bakteriologische Abstrichuntersuchung und Züchtung des Erregers in der Zellkultur, durch Antikörpernachweis im Blut des Patienten oder durch Nachweis der Bakterien-DNA. Die Erreger des Ulcus molle werden durch Anlegen einer Kultur mit Material aus dem Geschwürbereich nachgewiesen.

Auswirkungen

Vor allem bei unbehandelten Patienten entwickeln sich Komplikationen und Spätfolgen der Krankheiten. Bei der Syphilis folgt dem zweiten Krankheitsstadium bei etwa der Hälfte der unbehandelten Fälle das Stadium III, bei dem es zum Organbefall kommt. Es können dabei das Herz und die Gefäße, das Nervensystem und die Haut betroffen sein. Bei Entzündungen der Hauptschlagader kann es zu einer Gefäßaussackung (Aneurysma) kommen, bei denen die Gefahr einer Ruptur besteht. Sind die Nerven und Hirngefäße betroffen, können eine Demenz, Psychose, Schlaganfälle, Reflexstörungen, Augenmuskellähmungen, vermindertes Sensibilitäts- und Schmerzempfinden, Hirnnervenausfälle und fortschreitende Lähmungen die Folge sein. Des Weiteren bilden sich entzündliche, derbe Geschwulste (Gummen) in verschiedenen Organen, die zu Gewebedefekten führen. Häufig sind Knochen, Hoden, der Herzmuskel und die Leber betroffen. Im Fall der Infektion des Fötus während der Schwangerschaft kann eine angeborene Syphilis entstehen, die durch Erblindung, Zahnmissbildungen, Taubheit und Knochenveränderungen charakterisiert ist. Im Fall der Gonorrhoe ergeben sich für den Mann Komplikationen wie Entzündung der Prostata, des Nebenhodens mit der Gefahr der Unfruchtbarkeit, Entzündung der Gelenke oder der Herzinnenhaut. Bei der Frau sind neben letzteren zwei Komplikationen auch Entzündungen des Eileiters, der Eierstöcke und des Bauchfells zu nennen. Auch kann eine Unfruchtbarkeit entstehen. Die Komplikationen des Lymphgranuloma inguinale bestehen in einem Lymphödem im Genitalbereich, ausgelöst durch die Entzündung der betreffenden Lymphknoten, verbunden mit einem Verschluss der Lymphgefäße durch das Bindegewebe.

Therapie

Die Therapie der bakteriell verursachten Geschlechtskrankheiten erfolgt durch Antibiotika. Dabei muss unbedingt der Geschlechtspartner mitbehandelt werden, da es sonst zu einer erneuten Infektion kommen kann. Die Syphilis wird über einen Zeitraum von etwa zehn Tagen mit Penizillin behandelt. Bei erstmaliger Behandlung besteht die Gefahr der Jarisch-Herxheimer-Reaktion. Hierbei werden zwei bis sechs Stunden nach Penizillingabe durch den plötzlichen Erregerzerfall toxische Abfallprodukte freigesetzt, die eine Allgemeinreaktion mit Temperaturerhöhung, Kopfschmerzen und manchmal Befundverschlechterung verursachen. Als Therapie dient dann die intravenöse Gabe von Kortikoiden. Nach therapierter Syphilis besteht keine lebenslange Immunität! Die Gonorrhoe wird mit Antibiotika aus der Gruppe der Cephalosporine (zweite oder dritte Generation), Gyrasehemmer oder Tetrazykline einzeitig oder bei ausgedehnteren Formen über mehrere Wochen behandelt. Das Lymphgranuloma inguinale wird antibiotisch mit Erythromycin oder Tetrazyklinen kurzfristig oder über mehrere Wochen therapiert. Stark geschwollene Leistenlymphknoten werden punktiert, um deren Ruptur zu verhindern. Die Therapie des Ulcus molle besteht in der Gabe von Antibiotika wie beispielsweise Azithromycin und Ceftriaxon, die als einzelne Dosis verabreicht werden. Ein weiteres Antibiotikum, das Erythromycin, dagegen muss für sieben Tage eingenommen werden. Es bestehen Resistenzen gegenüber Penizillin G, Tetrazyklinen und Sulfonamiden.

Prophylaxe

Die Prophylaxe besteht vor allem darin, geschützten Geschlechtsverkehr auszuüben. Insbesondere bei häufig wechselnden Geschlechtspartnern sollte immer ein Kondom benutzt werden. Liegt bereits eine Geschlechtskrankheit vor, so muss unbedingt der oder die Geschlechtspartner/in mitbehandelt werden, da es andernfalls zu einer erneuten Infektion kommen kann.

Bemerkungen

Die Geschlechtskrankheit ist eine meldepflichtige Krankheit im Sinne des Infektionsschutzgesetzes. Das die Krankheit feststellende Labor ist bei Diagnose einer Syphilis zur Meldung beim Gesundheitsamt ohne Nennung des Namens und der Anschrift des Patienten verpflichtet. Eine namentliche Meldung wird jedoch erforderlich, wenn der Patient die Behandlung verweigert, unterbricht oder Nachuntersuchungen ablehnt. Weitere Informationen finden Sie auf der Internetseite des Robert-Koch-Institutes: www.rki.de. Literatur: Innere Medizin, Thieme 2003; Duale Reihe – Innere Medizin, 2. Auflage, Thieme Verlag, 2009; Duale Reihe Medizinische Mikrobiologie, 4. Auflage, Thieme Verlag 2009; Dermatologie und Venerologie für das Studium, Springer Verlag 2009. ib;ml; aktualisiert: 03/2010

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