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Condylomata acuminata, Feigwarzen, spitze Kondylome, anogenitale Warzen, Genitalwarzen.

Definition

Condylomata acuminata (Feigwarzen) gehören zu den häufigsten sexuell übertragenen Viruserkrankungem des Genitaltrakts. Auslöser dieser Hauterscheinung sind sogenannte humane Papillomaviren (HPV). Es handelt sich in der Regel um kleine schmerzlose Warzen im Bereich der Genitalien und des Afters, die bevorzugt an warmen, feuchten Stellen (z. B. Hautfalten) auftreten. Trotz einer therapeutischen Warzenentfernung kommt es in vielen Fällen zu einem Wiederauftreten der Erkrankung.

Ursachen

Die Feigwarzen werden durch sogenannte humane Papillomaviren (HPV) verursacht. Dabei handelt es sich um eine umfassende Familie von Viren, wobei diese spezielle Erkrankung durch die HPV-Typen 6 oder 11 ausgelöst wird. Außer durch Geschlechtsverkehr ist eine Übertragung auch durch Schmierinfektionen, durch Körperkontakt bei gemeinsamem Baden und evtl. durch kontaminierte Gegenstände möglich. Bevorzugte Lokalisationen sind warme, feuchte Hautstellen, wie z. B. Hautfalten. Ein gestörtes Immunsystem beziehungsweise eine geschwächte körpereigene Abwehr kann die Entstehung der Feigwarzen begünstigen. Einen Sonderstatus nimmt die Infektion von Kindern ein. Hierbei verläuft die Übertragung eher nicht sexuell. Vor und während der Geburt können die Viren von der infizierten Mutter auf den Säugling übertragen werden. An eine Infektion aufgrund sexuellen Missbrauchs sollte jedoch ebenfalls gedacht werden. Nach dem Eindringen der Viren in die Schleimhaut dringen sie in Zellen vor und regen diese zu einer überschießenden Vermehrung und Wucherung des Gewebes an. In dem sich bildenden Warzengewebe werden weitere Viren dieser Art produziert und angesammelt, die wiederum eine Kontaktübertragung ermöglichen. Dabei kann sich der Patient durch Hautkontakt an anderen Körperstellen selbst infizieren oder die Viren an eine andere Person übertragen.

Symptome

Nach einer langen symptomlosen Inkubationszeit von etwa vier Wochen bis sechs Monaten treten zunächst einzeln stehende, kleine, weißliche Knötchen, die sich jedoch rasch zu Grüppchen von weichen, hautfarbenen oder rötlich-braunen, blumenkohlartigen Wucherungen formieren. Sie wachsen schnell und können kleine Stiele bilden. Sehr viele dieser Gebilde stehen eng nebeneinander, zerklüften so das Gewebe und geben auf diese Weise die oben genannte blumenkohlartige Form ab. Lokalisiert sind die Papillome (Warzen) vornehmlich rund um die Scheide, an der Gebärmutter, an Penis und After. Sehr selten kommt es zu einem Befall der Harnröhre. Ein Befall des Mundraumes ist ebenfalls möglich. Insgesamt sind diese Veränderungen eher schmerzlos und fallen dem Patienten oft erst spät auf. Teilweise wird ein Jucken oder Brennen geschildert, größere Herde können zu einem Spannungsgefühl und zu schmerzhaften Einrissen mit Blutungen führen. Psychische und psychosoziale Reaktionen mit Einfluss auf das Sexualleben sowie Angst, Schuldgefühle und Störungen im Selbstbewußtsein sind aufgrund der unangenehm aussehenden Hauterscheinungen möglich.

Diagnostik

Durch ihr Erscheinungsbild werden die Condylome rasch diagnostiziert. Allerdings können sie auch mit anderen Arten von Geschwüren verwechselt werden. Bei der gründlichen körperlichen bzw. gynäkologischen Untersuchung fallen die vereinzelt oder in Grüppchen angeordneten, blumenkohlartigen, meist hautfarbenen Wucherungen auf. Zum Ausschluss einer bösartigen Entartung sollte gegebenenfalls eine Probeentnahme erfolgen, die im Labor histologisch aufgearbeitet wird. Im Laufe der gynäkologischen Untersuchung wird ebenfalls ein Abstrich vom Uterus entnommen, um etwaige Zellveränderungen in der Zytologie zu beurteilen. Mittels der apparativen Technik kann man einen Befall der Harnröhre ausschließen. Dazu verwendet man die Urethroskopie, bei der mit einer kleinen Optik endoskopisch die Harnröhren-Innenwand bis hin zur Blase dargestellt wird. Ebenfalls möglich ist das sogenannte Urethrogramm, eine Röntgenaufnahme der Harnröhre mittels Kontrastmittel. Ggf. wird eine Typisierung des Virusstammes durchgeführt. Generell gilt die zusätzliche Untersuchung und gegebenenfalls die Therapie des Geschlechtspartners als Grundvoraussetzung einer erfolgreichen Behandlung. Wesentlich gefährlicher als die durch die HPV-Typen 6 und 11 ausgelösten Feigwarzen sind die möglichen Folgen einer Infektion mit den HPV-Typen 16 und 18, da diese zur Entstehung von Gebärmutterhalskrebs, sowie seltener Analkrebs, Peniskrebs als auch Krebs im Mund-Rachen-Raum führen können. Da Patienten, die Feigwarzen aufweisen unter erhöhtem Verdacht stehen sich auch mit den kanzerogenen HPV-Typen infiziert zu haben, sollte diesbezüglich eine diagnostische Abklärung erfolgen um dem erhöhten Risiko durch regelmäßige Kontrolluntersuchungen begegnen zu können.

Auswirkungen

Trotz relativ schneller und unkomplizierter chirurgischer Entfernung der Warzen, ist das Risiko für ein Wiederauftreten sehr hoch. Auf dem Boden dieser Veränderungen können sich Bakterien ansiedeln, die eine weitere Infektion verursachen. Durch die Wucherung kann sich bei Erreichen der Harnröhre diese verengen, sodass das Wasserlassen Probleme bereitet. Selten kann es bei schwangeren Frauen zur Verlegung der Geburtswege durch riesige Condylome kommen. Des Weiteren können die Papillome weiter in die Tiefe vordringen, das heißt invasiv wachsen. Eine gewisse Tendenz zu einer bösartigen Entartung ist ebenfalls in seltenen Fällen beschrieben. Auf die möglichen Komplikationen bei einer Infektion mit den HPV-Typen 16 und 18 wurde bei dem Punkt "Diagnostik" hingewiesen.

Therapie

Als Therapie gibt es die Möglichkeit vor allem kleinere Herde mit chemischen Mitteln anzugehen, die man jedoch zum Teil monatelang anwenden muss. Desweiteren besteht vor allem bei größeren befallenen Arealen die Möglichkeit einer chirurgischen Behandlung bei denen die Ausstülpungen abgetragen werden. Eine Interferon-Therapie kann zusätzlich zu den chirurgischen Verfahren versucht werden. Bis jetzt wird Interferon als Salbe lokal aufgetragen; eine Anwendung in Tablettenform wird aufgrund der Nebenwirkungen noch erforscht. Mit der lokalen Gabe von Imiquimod wird zum Teil eine Unterstützung des Immunsystems und somit eine Verbesserung der körpereigenen Abwehrkräfte erreicht. Berichte von erfolgreichen Anwendungen liegen vor, für eine allgemeine Empfehlung müssen aber noch weitere Studien abgewartet werden.

Prophylaxe

Eine ausreichende körperliche Hygiene ist eine gute vorbeugende Maßnahme. Wird der Geschlechtspartner häufig gewechselt, sollten Kondome selbstverständlich sein. Allerdings sollte nicht übersehen werden, dass nur die vom Kondom bedeckten Anteile des Genitale geschützt sind. Eine Schutzimpfung gegen humane Papillomaviren 16 und 18, die unter anderem für die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs verantwortlich gemacht werden, und den humanen Papillomaviren 6 und 11, die für die hier beschriebenen gutartigen Gewebswucherungen ursächlich sind, ist seit dem September 2006 in Europa erhältlich. Die Impfung sollte möglichst vor einer Infektion dieser Viren erfolgen, das bedeutet meist vor dem ersten Geschlechtsverkehr. Die STIKO (Ständige Impfkommission) empfiehlt seit März 2007 die Impfung bei Mädchen im Alter von 12 - 17 Jahren. Inwiefern die Impfung auch bei älteren Frauen noch erfolgen sollte wird zur Zeit noch kontrovers diskutiert und erforscht und kann nach individueller Prüfung von Nutzen und Risiko durch den behandelnden Arzt entschieden werden.

Bemerkungen

Aktuelle Leitlinien zu Condylomata acuminata und anderen HPV-assoziierten Krankheitsbildern: http://www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/059-001.htm Informationen des Robert-Koch-Institutes zu Erkrankungen, die durch HPV ausgelöst werden: http://www.rki.de/cln_160/nn_196658/sid_B0E1577D7C6EC7027BA2AD88F49F5EDE/nsc_true/DE/Content/InfAZ/H/HPV/Papillomaviren.html?__nnn=true Neben den hier besprochenen Feigwarzen, die in erster Linie von sogenannten low-risk HPV-Stämmen ausgelöst werden, existieren auch high-risk HPV-Stämme, die für die Entstehung von Krebs verantwortlich sein können. Informationen zur Testung auf krebsauslösende HPV-Infektionen: http://www.digene.de Aktuelle Empfehlungen des Robert-Koch-Institutes zur Impfung: http://www.rki.de/cln_160/nn_1270420/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2007/Ausschnitte/HPV__STIKO__12__07,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/HPV_STIKO_12_07.pdf Literatur: Hof / Dörries: Duale Reihe Medizinische Mikrobiologie, 4. Auflage, Thieme Verlag Stuttgart 2009; Sterry/Paus: Checkliste Dermatologie, 5. Auflage, Thieme Verlag, Stuttgart 2004; Schumpelick et Al.: Kurzlehrbuch Chirurgie, 7. Auflage, Thieme Verlag Stuttgart 2006; Stauber u.a.: Duale Reihe Gynäkologie und Geburtshilfe, 3. Auflage, Thieme Verlag Stuttgart 2007. ml;ns aktualisiert: 09/2009

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