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Lungenemphysem, Lungenblähung, Emphysema pulmonum.
Definition
Als Lungenemphysem bezeichnet man einen abnorm vermehrten Luftgehalt der Lunge infolge einer Überdehnung, die mit einem irreversiblen Untergang von Lungenbläschen, den Alveolen, einhergeht. Daraus resultiert eine Verringerung der Oberfläche, die für den Gasaustausch zur Verfügung steht. Ausgangspunkt der Erkrankung sind pathologisch erhöhte Aktivitäten von Proteasen, bestimmten Eiweißen, die durch Zersetzungsprozesse die Lufträume erweitern sowie das Lungengerüst schädigen. Letzteres bewirkt, dass die kleineren Luftwege beim Ausatmen kollabieren und so die Luft nicht mehr richtig abgeatmet werden kann. Typischerweise tritt ein Emphysem als Folge einer chronischen Bronchitis bei Rauchern ab dem 50. Lebensjahr auf. In einigen Fällen liegt dem Emphysem aber auch ein angeborener Defekt zugrunde, bei dem ein Protease hemmendes Eiweiß, das sogenannte Alpha-1-Antitrypsin, fehlt oder zu wenig hergestellt wird und dadurch die Entstehung dieser Erkrankung in schon früherem Alter begünstigt wird.
Ursachen
Der mit Abstand wichtigste, von außen wirkende Faktor ist das inhalative Rauchen. Weitere exogene Faktoren wie Luftverunreinigung oder berufliche Noxen (Giftstoffe) werden ebenfalls für die Entwicklung eines Lungenemphysems verantwortlich gemacht. Darüber hinaus können Emphyseme als Folge von häufigen entzündlichen Erkrankungen der Atemwege wie Bronchitiden, Pneumonien oder Asthma bronchiale entstehen.
Symptome
Zu Beginn der Erkrankung dominiert die Kurzatmigkeit. Sie tritt erst nur bei Belastungen auf und ist abhängig von äußeren Faktoren wie Klima oder Jahreszeit. Häufiges Husten ist typisch und wird oft von den Betroffenen als normaler "Raucherhusten" abgetan. Hinzu kommen bläulich verfärbte Lippen und Finger (Zyanose) durch den Sauerstoffmangel im Blut, Müdigkeits- und Schlappheitsgefühl sowie Antriebslosigkeit. Bei fortgeschrittener Erkrankung wird die Kurzatmigkeit zum Dauersymptom, das mit zunehmender Leistungsschwäche einhergeht; starker Husten mit Auswurf und ein fassförmiger Brustkorb (aufgrund der in Einatmungsstellung verbleibenden Brustmuskulatur) kommen hinzu. Die zunehmende Atemarbeit kann zu starkem Gewichtsverlust führen. Durch einen Blutstau im Lungenkreislauf, kann es zu einer Druckbelastung des Herzens kommen. Sind die Kompensationsmechanismen überlastet zeigen sich auch die Symptome einer Herzinsuffizienz wie bspw. Wasseransammlungen (Ödeme) in den Beinen. In schweren Fällen kann der Betroffene seinen Alltag nicht mehr allein bewältigen.
Diagnostik
Im Rahmen der allgemeinen Untersuchung fallen dem Arzt je nach Schweregrad die Kurzatmigkeit, ein fassförmiger Brustkorb sowie die bläulich verfärbten Lippen und Finger auf. Ist die Leistung des rechten Herzens vermindert, sind Beine und Fußknöchel oftmals geschwollen. Beim Ausklopfen (Perkussion) sowie Abhören (Auskultation) der Lunge zeigt sich ein sogenannter "hypersonorer" Klopfschall (lauter und hohler als gewöhnlich, da sich mehr Luft im Brustkorb befindet) wenig verschiebliche Atemgrenzen sowie ein leises Atemgeräusch mit evtl. verlängerter Ausatemzeit. Es können ein Lungenfunktionstest, eine Ganzkörperplethysmografie, eine Röntgenuntersuchung der Lunge, ein Elektrokardiogramm (EKG) und wahlweise eine Computertomografie (CT) veranlasst werden. Die Leistungsfähigkeit des rechten Herzens kann zusätzlich mittels einer Herz-Ultraschall-Untersuchung, der Echokardiografie, untersucht werden. Zudem ist eine Untersuchung des Sauerstoff- und Kohlendioxidgehaltes im Blut sinnvoll.
Auswirkungen
Der Mediziner unterscheidet zwischen akuten und chronischen Komplikationen. Zu den akuten Komplikationen gehört die Ausbildung eines Spontanpneumothorax. Dabei kommt es zu einem Kollaps der Lunge, wenn randständige Emphysemblasen platzen und Luft in den Brustfellspalt, der der Verschieblichkeit der Lungen dient, entlassen. Infekte der Luftwege können bei einem bestehenden Lungenemphysem weitere, schwere Komplikationen hervorrufen, da sie die Leistungsreserve des Atemsystems schnell erschöpfen lassen. Die chronischen Komplikationen führen über die Ausbildung einer pulmonalen Hypertonie, das heißt eines Hochdrucks im Lungenkreislauf, zu einer Überlastung des rechten Herzens. Diese Form der Herzinsuffizienz bezeichnen Mediziner als Cor pulmonale.
Therapie
Eingetretene Veränderungen des Lungengewebes sind nicht rückgängig zu machen. Die Therapie beschränkt sich daher auf die Verzögerung der Erkrankung und die bestmögliche Ausnutzung der noch vorhandenen Lungenreserven. Wichtig ist es, die Einatmung jeglicher krankmachender Substanzen zu vermeiden, d. h. Rauchen muss unbedingt eingestellt werden, der Arbeitsplatz sollte frei von Staub oder anderen Belastungen sein. Infekte der Luftwege müssen früh und konsequent behandelt werden bzw. durch Impfungen (gegen Influenza und Pneumokokken) in ihrer Entstehung verhindert werden. Häufig werden Bronchospasmolytika (Medikamente, die die Atemmuskulatur entspannen) eingesetzt. Insbesondere bei akuter Verschlechterung der Symptomatik, z. B. im Rahmen eines Infekts, hat sich die vorübergehender Gabe von oralen Kortikoiden bewährt. Die Atemmuskulatur kann durch physiotherapeutische Übungen gestärkt werden. Seit einiger Zeit steht eine Substitutuionstherapie mit Alpha-1-Proteinase-Inhibitor zur Verfügung. Diese sehr teure Methode ist nur im Rahmen spezieller genetischer Erkrankungen angezeigt. Langzeitergebnisse stehen noch aus. Große Emphysemblasen können operativ entfernt werden. Liegt eine Partialinsuffizienz der Lunge vor, was bei einer unzureichenden Sauerstoffversorgung der Fall ist, dann ist eine Sauerstoffversorgung über eine Nasensonde angezeigt. In fortgeschrittenen Stadien ist eine ständige Sauerstoffzufuhr notwendig. Bei einer Globalinsuffizienz ist zudem das Abatmen des CO2 gestört. In diesen Fällen muss durch kontrollierte Beatmung, zur Not auch mit Intubation (Einführen eines Beatmungsschlauchs in die Luftröhre), eingegriffen werden. Darüber hinaus bleibt als letzte therapeutische Maßnahme nur noch eine Lungentransplantation.
Prophylaxe
Wichtigster exogener - und damit vermeidbarer - Faktor für die Entstehung eines Lungenemphysems ist der Zigarettenkonsum. Dieser sollte nicht erst im Rahmen der Therapie eingestellt werden. Patienten mit einem Lungenemphysem sind anfälliger für Infektionskrankheiten und sollten sich deshalb gegen Grippe (Influenza) sowie Pneumokokken (möglicher Erreger einer Lungenentzündung) impfen lassen.
Bemerkungen
Weitere Information mit Hinweisen zu Selbsthilfegruppen unter: http://www.emphysem.de/. Aktuelle Leitlinien der AWMF unter: http://www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/020-006.htm. Literatur: Herold: Innere Medizin, 2009; Greten: Innere Medizin, 12. Auflage, Thieme Verlag, Stuttgart 2005; J. - M. Hahn: Checkliste Innere Medizin, 5. Auflage, Thieme Verlag Stuttgart 2006; Braun/Dormann: Klinikleitfaden Innere Medizin, 9. Auflage, Urban & Fischer München 2006; Arasteh/Baenkler/Bieber: Duale Reihe Innere Medizin, 2. Auflage, Thieme Verlag, Stuttgart 2009; Wolff/Weihrauch: Internistische Therapie 06/07, 16. Auflage, Urban & Fischer München 2006; Gesenhues/Ziesché: Praxisleitfaden Allgemeinmedizin, 4. Auflage, Urban & Fischer München 2003. ns;ml aktualisiert: 02/2010
Regionen
- Atmungsorgane
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