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Blutzucker-Messung
Synonyme
Glukose-Messung im Blut
Grundlagen
Die Messung des Zuckergehaltes im Blut ist eine wichtige Untersuchung. Der Kreislauf dient in erster Linie als Transportsystem für den Zucker (Glukose), denn er ist einer der wichtigsten Nährstoffe für den Menschen. Der Zuckerspiegel des Blutes wird durch verschiedene Hormone geregelt: Insulin senkt ihn, Adrenalin und Glukagon bringen ihm zum Anstieg. Eine Störung in diesem Regelkreis führt zu einer Verschiebung im Konzentrationsgleichgewicht. Die Blutzuckerkonzentration schwankt im Tagesverlauf zwischen 60 und 140 mg/dl (Milligramm pro Deziliter). Sie ist von der Nahrung, der Nährstoffverwertung, Stress, körperlicher oder seelischer Belastung, aber auch von manchen Stoffwechsel- oder Kreislauferkrankungen abhängig. Zur Messung der Blutzuckerkonzentration stehen unterschiedliche Messmethoden zur Verfügung. Zum einen gibt es Teststreifen für Urin und Blut, zum anderen stehen spezielle Teststreifen für eine apparative Messung zur Verfügung. Neueste Geräte, die noch nicht auf dem Markt sind, können den Blutzuckergehalt per Infrarotlicht durch die Haut ermitteln. In den letzen Jahren konnte eine andere Untersuchungsmethode entwickelt werden. Sie ermöglicht Rückschlüsse auf den Blutzuckerspiegel über eine länger zurückliegende Zeitspanne. Der HbA1c-Wert (glykosilierter Blutfarbstoff) stellt dar, an wie viel Prozent des Blutfarbstoffs (Hämoglobin) sich Zucker angelagert hat, d. h. wie viel Hämoglobin glykosiliert ist. Der Normwert liegt hierbei unterhalb 6,5 Prozent. Da sich der Blutfarbstoff innerhalb der roten Blutkörperchen befindet, kann man in diesem Zusammenhang die Lebenszeit der Erythrozyten feststellen, nämlich etwa 120 Tage. Das HbA1c dient auch zur Verlaufskontrolle der Diabetestherapie. Denn hält sich ein Patient nur kurz vor der Kontrolluntersuchung an Diät und Medikamente, ist dies durch den HbA1c-Wert leicht nachweisbar. Bei guter Stoffwechselführung beträgt der HbA1c-Anteil weniger als 6,5 Prozent.
Indikationen
- Selbstkontrolle
- Routineuntersuchung
- Kontrolle der Blutzuckerwerte bei Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus)
- Medikamentöse Therapieeinstellung
Die Untersuchung des Blutzuckergehaltes ist eine Standarduntersuchung, die bei der regelmäßigen Gesundheitskontrolle durch den Hausarzt durchgeführt wird. Aber auch in Apotheken werden Selbsttests angeboten. Sie können von jedermann zu Hause in eigener Regie durchgeführt werden. Überwiegend wird die Blutzuckerkontrolle bei der Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) angewendet. Sie ist ein einfaches und schnelles Verfahren zur Diagnostik und Verlaufskontrolle von Krankheiten mit zu hohem oder zu niedrigem Blutzuckerspiegel. Um die Folgeschäden beispielsweise eines Diabetes mellitus gering zu halten, ist es notwendig, den Blutzucker so normal wie möglich einzustellen. In Abhängigkeit vom Schweregrad der Erkrankung muss mehrfach am Tage eine Kontrolle durchgeführt werden. Bei schweren Verlaufsformen des Diabetes mellitus sind auch Kontrollen während der Nacht notwendig. Bei einigen Erkrankungen kann der Blutzuckerspiegel im Verlauf stark schwanken. In solchen Fällen wird der Blutzuckerspiegel mit anderen Blutwerten routinemäßig kontrolliert. Die ermittelten Werte sind als einzelner Wert nicht sehr aussagekräftig. Schwankungen lassen auch schon mal ein Unter- oder Überschreiten der Standardwerte zu. Erst regelmäßige Abweichungen sollten genauer untersucht werden. Bei insulinpflichtigen Diabetikern ist die Blutzuckerkontrolle vor der Nahrungsaufnahme sehr wichtig. Sie dient der Bestimmung der richtigen Insulindosis. Andere Diabetiker kontrollieren ihre Werte zwischen einmal täglich und einmal wöchentlich. Wichtigste Voraussetzung für die Blutzuckerselbstkontrolle ist die korrekte Gewinnung des Bluttropfens. Hierfür stehen von der Industrie spezielle Stechhilfen oder einfache Lanzetten zur Verfügung.
Beurteilung
Den absoluten und optimalen Blutzuckerwert gibt es nicht. Entscheidend ist immer, zu welcher Tageszeit der Wert bestimmt wird und ob er vor oder nach dem Essen gemessen wird. Ein Blutzuckeranstieg nach dem Essen ist auch beim Gesunden zu beobachten und deshalb normal. Daher gelten für die Zeiten nach den Mahlzeiten andere Richtwerte als z. B. für die Morgenstunden vor dem Frühstück. Die Blutzuckermaßeinheit wird angegeben in Milligramm pro Deziliter Vollblut oder Blutplasma (= mg/dl). Die Normalwerte des Blutzuckers betragen 70 bis 109 mg/dl Nüchternblutzucker, unter 140 mg/dl zwei Stunden nach einer Mahlzeit, und der glykosilierte Blutfarbstoff (HbA1c) liegt bei unter 6,5 Prozent. Abweichungen von den Normwerten weisen möglicherweise auf eine Erkrankung hin: - Nüchternblutzucker von mehr als 120 mg/dl ist verdächtig für eine Stoffwechselstörung - 180 mg/dl Blutzucker eine Stunde nach Nahrungsaufnahme ist ebenfalls verdächtig für eine Stoffwechselstörung Unterschiedliche Verfahren stehen zur Messung des Blutzuckers zur Verfügung. Einfache Teststreifen, die in Urin gehalten werden, sind nicht für die exakte Bestimmung geeignet. Sie sind zur Selbstkontrolle daheim gedacht und zeigen lediglich einen möglichen Zuckergehalt im Urin an. Genauer sind Hämo-Teststreifen, auch Stix genannt. Sie werden mit einem kleinen Tropfen Blut benetzt. Nach einer kurzen Einwirkzeit verfärbt sich der Teststreifen. Anhand einer Farbskala kann der Blutzuckerwert abgelesen werden. Auch diese Methode ist nicht sehr genau. Schwankungen bis zu 40 Milligramm sind möglich. Genauer ist da die Auswertung eines speziellen Teststreifens in einem elektronischen Gerät (Glukometer). Sie werden von der Fachindustrie in großer Zahl angeboten. Solche Messgeräte zeigen schon nach kurzer Zeit einen exakten Wert an.
Kontraindikationen
Gegen die Messung des Blutzuckerspiegels gibt es keine denkbare Kontraindikation. Sie ist gerade in lebensbedrohlichen Situationen eine sehr hilfreiche diagnostische Maßnahme.
Risiken
- Lokale Veränderungen an der Einstichstelle
Die Messung des Zuckergehaltes im Urin mittels eines Teststreifens ist nur eine sehr ungenaue Methode. Sie ist jedoch ohne jedes Risiko durchzuführen. Exakte Werte lassen sich im Urin nur durch eine laborchemische Untersuchung erzielen. Die Blutabnahme stellt für die meisten Patienten kein Problem dar. Nachdem der Finger oder das Ohrläppchen gewaschen und desinfiziert wurde, kann durch einen kleinen Stich mit einer Lanzette oder einer Stichhilfe kapillares Blut gewonnen werden. Einige klagen jedoch nach Jahren über eine vermindertes Tastgefühl, Verhornung und Verdickung. Bei elektronischen Messgeräten sind immer wieder die Teststreifen auf Verfall zu kontrollieren. Feuchte Teststreifen zeigen falsche Messwerte an. Die Glukometer müssen peinlichst sauber gehalten werden; auf Anzeichen einer ungenügenden Ladung der Batterien ist zu achten. Temperaturen unter 17 °C und über 35 °C verfälschen die Messergebnisse, ebenso hohe Luftfeuchtigkeit und die Messung in Höhen über 3.000 Metern. (Im Flugzeug ist die Messung wegen des Druckausgleichs problemlos.)
Behandlung
Vor der Entnahme des Blutstropfens sollte der Finger oder das Ohrläppchen gewaschen und angewärmt sein. Eine Desinfektion ist dann nicht erforderlich. Alle Finger außer dem Daumen sind zur Blutentnahme geeignet. Die Einstichstelle liegt immer seitlich der Fingerbeere, da sich dort weniger Nerven befinden. Die Einstichstelle sollte auch bei jeder Entnahme wechseln. Kurz vor der Entnahme kann der Finger massiert werden, um so die Blutgewinnung zu erleichtern. Je stärker der Druck gegen den Finger, desto tiefer der Einstich (einige Stechhilfen bieten eine Einstellung der Stechtiefe an). Der Finger wird leicht gedrückt und ein großer Blutstropfen gewonnen. Nach der Blutentnahme sollte die Einstichstelle durch leichten Druck komprimiert werden; so kann die Blutstillung unterstützt werden. Wird die Blutzuckermessung mit einem Farbhämo-Teststreifen durchgeführt, sind alle notwendigen Utensilien vorzubereiten: Teststreifenset mit Farbskala, Lanzette oder Einstichhilfe, Uhr mit Minutenanzeige, Tupfer. Nach der Blutentnahme sind alle gebrauchten, blutigen Gegenstände sicher zu entsorgen. Zur Messung des HbA1c-Wertes ist die Abnahme von einigen Millilitern venösen Blutes aus einer Armvene erforderlich. Diese Untersuchung wird in einem Labor durchgeführt.
Literatur
Psychrembel, 261. Auflage, De Gruyter 2007.; Die Innere Medizin –, 11. Auflage, Schattauer 2007; Gesundheits- und Krankenpflege, Elsevier, Auflage: 4. Auflage 2007; AWMF-Leitlinien. aktualisiert: ib 09/2009
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