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Blutdruckmessung

Synonyme

RR-Messung (RR steht für Riva-Rocchi, den Entwickler der unblutigen Druckmessung)

Grundlagen

Der Blutdruck ist der Druck des strömenden Blutes in den Arterien. Er ist abhängig vom Schlagvolumen des Herzens (Auswurfmenge der linken Herzkammer pro Herzschlag), vom Gefäßwiderstand, von der Beschaffenheit und vom Füllungszustand der Gefäße. Fällt einer dieser Faktoren teilweise oder ganz weg, so kommt es zum Blutdruckabfall und zum reflektorischen Pulsanstieg. Beim Zusammenziehen des Herzmuskels (Systole) wird eine gewisse Blutmenge in die Arterien gepumpt. Dank der Elastizität der Arterienwände wird der Druck aufgefangen und weitergeleitet. Durch diese so genannte Windkesselfunktion der großen Arterien wird die rhythmische Arbeit des Herzens in eine mehr kontinuierliche Strömung umgewandelt. Bei der Blutdruckmessung unterscheidet man den systolischen und den diastolischen Druck. Der systolische Druck ist der höchste, der diastolische der niedrigste messbare arterielle Druck, der in wellenförmigem Ablauf durch das Zusammenziehen des Herzmuskels in den Gefäßen entsteht. Der Blutdruck wird als Ton erfasst und in mm Hg (Millimeter Quecksilbersäule) ausgedrückt, z. B. 120/80 mm Hg, wobei die erste Zahl dem systolischen, die zweite Zahl dem diastolischen entspricht. Bei der nicht-invasiven Methode wird der Blutdruck als Ton erfasst. Dazu benötigt man einen Blutdruckapparat mit Hakenmanschette oder Klettverschluss, ein Stethoskop mit Flachmembran oder Trichter, ein Schlauchsystem und Ohr-Oliven. Der Blutdruck wird mit Gegendruck gemessen, d. h. die um den Oberarm gewickelte Manschette wird aufgeblasen. Der Druck ist am Manometer ablesbar. Mit dem Stethoskop kann ein Strömungsgeräusch gehört werden. Dieses Geräusch setzt ein, wenn Blut durch die Oberarmarterie strömt und hört erst wieder auf, wenn die Manschette keinen Druck auf das Gefäß mehr ausübt. Heute stehen bereits elektronische Geräte zu Verfügung, die eine Messung vollautomatisch vornehmen. Der Patient soll bequem und entspannt liegen oder sitzen, den Arm leicht gebeugt und in Herzhöhe auf glatter Unterfläche abstützen. Die apparative Blutdruckmessung wurde erstmals in Italien von dem Kinderarzt Riva-Rocci (1863-1937) durchgeführt. Heinrich von Recklinghausen (1867-1943) entwickelte das Gerät weiter und ersetzte den quecksilbergefüllten Apparat durch ein uhrenförmiges Druckmanometer. Bei großen Operationen kann der Blutdruck auch direkt über einen arteriellen Zugang gemessen werden. Diese invasive Methode gibt sehr genaue und ständige Werte an.

Indikationen

  • Basisdiagnostik, auch in der Notfallmedizin
  • Kontrolluntersuchung bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen aller Art
  • Verlaufskontrolle bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen aller Art

Anhand einer Blutdruckmessung kann der Arzt Rückschlüsse auf die Kreislaufsituation des Patienten ziehen. So werden Blutdruckkontrollen bei allen älteren Patienten vorgenommen, die eine Arztpraxis besuchen. Auch bei der Aufnahme im Krankenhaus erfolgt die Messung als Routine. Liegt der ermittelte Wert außerhalb der Norm, so wird er einige Zeit später erneut geprüft und ggf. mehrmals täglich bis wöchentlich kontrolliert. Auch bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, nach Operationen, Unfällen, Blut- und Flüssigkeitsverlusten und bei Schock ist eine Kontrolle des Blutdruckes erforderlich. Gleiches gilt für Patienten, die Medikamente bekommen, die entweder den Blutdruck beeinflussen oder Wirkungen auf andere Körperfunktionen haben.

Beurteilung

Die Blutdruckmessung gehört zu den Standarduntersuchungsmethoden in der Medizin. Sie kann bei nahezu allen Erkrankungen in die Diagnostik einbezogen werden. Zunächst zeigt sie die momentane Drucksituation im Gefäßsystem des Patienten an. Eine kontinuierliche Aufzeichnung über einen gesamten Tag, eine Woche oder auch über einen längeren Zeitraum gibt dem behandelnden Arzt wichtige Informationen über die Blutdruckverhältnisse im Aufzeichnungszeitraum. Im Folgenden werden die Normalwerte und Abweichungen erläutert. Als Faustregel gilt: Alter + 100 = systolischer Wert. Dabei gilt als übliche Begrenzung der Systole ein Druck von nicht über 140 mm Hg und nicht unter 100 mm Hg. Der Grenzwert für die Diastole soll nicht über 90 mm Hg liegen. Der Blutdruck ist abhängig vom Alter, der körperlichen Konstitution, Körperlage, Atmung und dem psychischen und physischen Zustand des Menschen. So schwanken die normalen Blutdruckwerte zwischen 110 und 140 mm Hg systolisch und 60 bis 80 mm Hg diastolisch. Bei Abweichungen nach unten spricht man von einer Hypotonie (niedriger Blutdruck). Hier liegen die systolischen Werte unter 100 mm Hg. Abweichungen nach oben (Bluthochdruck) werden in unterschiedliche Bereiche eingeteilt: Hochnormaler Blutdruck liegt systolisch bei 130-139 mm Hg und diastolisch 85-89 mm Hg. Die so genannte Grenzwerthypertonie nimmt 140-159 mm Hg bzw. 90-99 mm Hg ein. Die mittlere Hypertonie liegt bei 160-179 mm Hg bzw. 100-109 mm Hg und die schwere Hypertonie systolisch ab 180 mm Hg und diastolisch über 110 mm Hg. Ab einem Blutdruck von über 230/130 spricht man von der so genannten hypertensiven Krise. Hierbei treten zumeist Beschwerden des Herz-Kreislaufs oder des Gehirns auf.

Kontraindikationen

  • Keine absoluten Kontraindikationen bekannt
  • Relativ: Auf der Seite einer Brustamputation mit Entfernung der Lymphknoten in der Achselhöhle

Es existieren keinerlei absoluten Kontraindikationen, jedoch sollte auf der Seite einer Brustamputation bei gleichzeitiger Entfernung der axillären Lymphknoten keine Blutdruckmessung erfolgen. Hierbei kann die Messung auch an einem Oberschenkel erfolgen.

Risiken

Es sind keine Risiken bekannt, da die normale Blutdruckmessung für den Patienten keine Belastung darstellt.

Behandlung

Es ist weder eine spezielle Vor- noch Nachbehandlung notwendig.

Literatur

Psychrembel, 261.Auflage de Gruyter 2007; Fachpraxis Krankenpflege, Stam, Auflage: 3.Auflage 2008; Checkliste Innere Medizin, 5. Auflage, Thieme 2006; Innere Medizin, Herold 2009; AWMF-Leitlinien. aktualisiert: ib 09/2009

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