Kontroversen um den PSA-Test
Der PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs ohne entsprechenden Verdacht oder Anhaltspunkte ist umstritten. Die Kritik betrifft- die mangelhafte Treffsicherheit des Tests
- die Möglichkeit der Überdiagnose von langsam wachsenden, ungefährlichen Krebsgeschwülsten, die dann unnötigerweise behandelt werden
- die Unsicherheit hinsichtlich des Nutzens einer Behandlung bei durch den PSA-Test entdecktem Prostatakrebs. Bisher ist nicht belegt, dass durch die Früherkennung weniger Männer an Prostatakrebs sterben.
Mangelhafte Testgenauigkeit und Treffsicherheit
1. Ein erhöhter PSA-Wert bedeutet nicht zwangsläufig Prostatakrebs: Etwa 2 von 3 Männern mit erhöhtem PSA-Wert haben keinen Krebs (4). Neueren Untersuchungen zufolge sind es sogar noch mehr (32). Bei vielen Männern mit erhöhtem PSA-Wert steckt eine gutartige Vergrößerung der Prostata (benigne Prostatahyperplasie) dahinter.Ein erhöhter PSA-Wert bedeutet demnach oft eine unnötige Beunruhigung und zieht ggf. unnötige weitere Untersuchungen nach sich.
2. Ein normaler PSA-Wert ist keine Garantie dafür, dass kein Krebs vorliegt. Der PSA-Test „übersieht“ einen Teil der Krebserkrankungen, denn nicht alle gehen mit einem erhöhten PSA-Wert einher: Bei etwa 2 von 10 Fällen von Prostatakrebs ist der PSA-Wert normal (2).
Wie gut oder wie schlecht der PSA-Test zur Entdeckung von Prostatakrebs ist, kann auch die folgende Grafik verdeutlichen (1):
Von 1000 Männern zwischen 50 und 70 Jahren haben statistisch 40 ein Prostatakarzinom. Durch den PSA-Test und im Fall eines erhöhten Wertes durch weitere Untersuchungen einschließlich einer Biopsie wird das Karzinom bei 26 dieser 40 Männer entdeckt. Bei 7 der 40 Männer ist der PSA-Wert trotz Krebs normal – der Krebs wird nicht entdeckt.
Bei weiteren 7 Männern ist das Ergebnis der Biopsie falsch negativ – der Krebs wird durch die Gewebeentnahme nicht erkannt. Diese 14 Männer wiegen sich in falscher Sicherheit, denn der Krebs wurde bei ihnen übersehen. Zwei Drittel der 100 Männer mit erhöhtem PSA-Wert, werden unnötig in Sorge versetzt, denn sie haben keinen Krebs.
Möglichkeit der „Überbehandlung“ langsam wachsender Prostatakrebse
Der PSA-Test kann zur Entdeckung von Prostatakarzinomen führen, die sehr langsam wachsen und dem betreffenden Mann auch ohne Entdeckung und Behandlung niemals Probleme bereitet hätten. Der Mann würde mit dem unerkannten Prostatakrebs irgendwann an anderen Ursachen sterben - mit, aber nicht durch den Krebs. Diese Aufdeckung von ungefährlichen, weder die Lebensqualität noch die Lebensdauer beeinträchtigenden Tumoren, die somit unnötig behandelt würden, nennt man Überdiagnose. Das Problem ist, dass man bei einem entdeckten Krebs derzeit nicht sicher sagen kann, wie er sich langfristig verhalten wird.Unsicherheiten bezüglich des Nutzens einer Behandlung
Die vorliegenden Studienergebnisse geben bis jetzt noch keine klare Antwort auf die Frage, ob bei einem Prostatakrebs, der durch den PSA-Test entdeckt wird, eine Behandlung mit den verfügbaren Möglichkeiten das Risiko senkt, an der Erkrankung zu sterben. Einige Experten sind der Auffassung, dass dies so ist. Derzeit gibt es allerdings keine beweisenden Daten (Evidenz), dass eine breite Anwendung des PSA-Tests die Gesamtzahl der Todesfälle durch Prostatakrebs verringert. Deshalb wird der PSA-Test in Deutschland Männern nicht als routinemäßige Früherkennungsuntersuchung (Screening) angeboten.Zwei große wissenschaftliche Studien in Europa und den USA untersuchen, ob der PSA-Test zum Screening von Prostatakrebs geeignet ist. Erste Ergebnisse wurden im März 2009 veröffentlicht: Die US-amerikanische Studie zeigte in der 7 bis 10-jährigen Nachbeobachtungszeit keine Verminderung der Sterblichkeit an Prostatakrebs (33).
Die europäischen Wissenschaftler fanden zwar eine Senkung der Sterblichkeitsrate durch das PSA-Screening, sie betonen aber auch das hohe Risiko von Überdiagnosen und unnötigen Therapien. Laut Studienergebnis müssen 1.410 Männer im Alter von 55 bis 69 Jahren regelmäßig gescreent werden und etwa 48 Männer müssen zusätzlich zu den Personen in der nicht gescreenten Kontrollgruppe behandelt werden, um einen Todesfall durch Prostatakrebs zu verhindern (34).
Weiterentwicklung des PSA-Tests
Sie haben schon erfahren, dass zwei Drittel der Männer mit einem erhöhten PSA-Wert keinen Krebs haben und andererseits auch bei normalem PSA-Test Prostatakrebs vorliegen kann. Wissenschaftler arbeiten daran, den PSA-Test so zu verbessern, dass der PSA-Wert Prostatakrebs zuverlässiger anzeigt als dies derzeit der Fall ist. Es ist jedoch nicht absehbar, wann ein solcher Test zur Verfügung stehen wird. Auch gibt es derzeit keine zur Krebsfrüherkennung geeigneten Alternativen zum PSA-Test, die Prostatakrebs zuverlässiger erkennen. Ungeachtet dessen könnte es sein, dass immer empfindlichere Tests das Problem der Überdiagnose verstärken.Mehr Informationen zum PSA-Test
Diese Entscheidungshilfe vermittelt Ihnen alle notwendigen Informationen zum PSA-Test.Wenn Sie aber weitere Fragen haben, sprechen Sie unbedingt Ihren Hausarzt oder Urologen darauf an. Bevor Sie sich für oder gegen den PSA-Test entscheiden, sollten Sie verstehen, was Sie davon erwarten können und welche Folgen der Test für Sie haben kann.
Fragen
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Die Treffsicherheit des PSA-Tests hat Mängel: Ein erhöhter PSA-Wert bedeutet nicht zwangsläufig Prostatakrebs, und ein normaler PSA-Wert schließt Prostatakrebs nicht aus. So wird bei einem von vier Männern mit erhöhtem PSA-Wert mit der anschließenden Biopsie Krebs festgestellt. Von zehn Männern, deren Biopsie normal ausfällt, hat einer dennoch Prostatakrebs.
Dies spricht für michEin Teil der aufgrund des PSA-Tests entdeckten Prostatakarzinome wird unnötig behandelt („Überbehandlung“): Sie hätten nie Probleme bereitet. Dies trifft altersabhängig bei etwa 3 bis über 5 von 10 Männern mit der Diagnose Prostatakrebs zu.
Dies spricht für michEs ist unsicher, ob die frühe Behandlung eines aufgrund des PSA-Tests entdeckten Prostatakrebses dem betreffenden Mann nützt.
Dies spricht für michIn dieser Übersicht können Sie ablesen, wie Sie die Informationen zum PSA-Test und möglichen Konsequenzen bewertet haben.
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